Samenpflanzen

Fruchtwand und Schließfrüchte

Wie die Fruchtwand aus Exo-, Meso- und Endokarp aufgebaut ist und woran man Beere, Steinfrucht, Achäne, Karyopse und Spaltfrucht unterscheidet.

Prüfungsrelevanz: sehr wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Die Frucht ist die Blüte im Samenreifezustand. Ihre Wand, das Perikarp, entsteht aus den Fruchtblättern und gliedert sich in Exokarp, Mesokarp mit Leitbündeln und Endokarp aus der inneren Epidermis.
  • Das Perikarp gehört zur Frucht und nie zum Samen. Die Testa ist die Samenschale. In reifen Schließfrüchten fehlt ein Periderm, Placentareste können zur Droge gehören.
  • Bei der Beere bleibt das gesamte Perikarp unverholzt und die Testa frei: Tomate, Apfelsine, Kürbis. Apfel und Birne sind Scheinfrüchte, Wacholder trägt Beerenzapfen, der Kreuzdorn Steinfrüchte.
  • Bei der Steinfrucht verholzt nur das Endokarp zum Stein, die Testa bleibt frei: Kirsche, Olive, Kokospalme, Purgier-Kreuzdorn.
  • Bei Achäne und Karyopse ist die Testa mit der Fruchtwand verwachsen. Die Achäne stammt aus einem unterständigen, die Karyopse aus einem oberständigen Fruchtknoten.
  • Die Doppelachäne der Apiaceae ist eine Spaltfrucht aus zwei Teilfrüchten mit Ölgängen. Die Klausenfrucht der Lamiaceae entsteht aus zwei Fruchtblättern und zerfällt in vier Klausen.

Worum es geht

Viele Arzneidrogen sind Früchte, von Fenchel und Anis bis zu Mariendistelfrüchten. Wer ihren Aufbau deuten will, muss wissen, welche Schicht zur Fruchtwand und welche zum Samen gehört. Daraus ergeben sich auch die Fruchttypen, die man an Bild und Querschnitt erkennen soll.

Frucht und Fruchttypen

Eine Frucht ist die Blüte im Zustand der Samenreife. Nach der Befruchtung werden die Samenanlagen zu Samen, und die Wand des Fruchtknotens wird zur Fruchtwand. Eine Frucht kann einen oder viele Samen enthalten. Die Kirsche hat einen, die Tomate Dutzende.

Man teilt Früchte danach ein, wie sie ihre Samen freigeben:

  • Schließfrüchte bleiben geschlossen. Die ganze Frucht wird samt Samen verbreitet.
  • Öffnungsfrüchte springen auf und entlassen die Samen, etwa Hülse und Kapsel.
  • Zerfallsfrüchte zerfallen in mehrere Teilfrüchte, die ihrerseits geschlossen bleiben.
  • Sammelfrüchte gehen aus allen freien Fruchtblättern einer Blüte hervor.

Öffnungs- und Sammelfrüchte behandelt die Einheit Öffnungsfrüchte und Sammelfrüchte. Hier geht es um die Schließfrüchte und um die Spaltfrüchte, deren Teile ebenfalls geschlossen bleiben.

Perikarp

Das Perikarp ist die Fruchtwand. Es entsteht aus der Wand des Fruchtknotens, also aus den Fruchtblättern (Karpellen). Gewebe der Blütenachse ist daran nicht beteiligt. Trägt die Blütenachse doch zum Fruchtfleisch bei, wie beim Apfel, spricht man von einer Scheinfrucht. Auch jede Schließfrucht besitzt ein Perikarp.

Das Perikarp gliedert sich in drei Schichten:

  • Exokarp: äußere Schicht aus der äußeren Epidermis des Fruchtblatts, mit Cuticula.
  • Mesokarp: mittlere Schicht, meist Parenchym. Hier verlaufen die Leitbündel.
  • Endokarp: innere Schicht, hervorgegangen aus der inneren Epidermis des Fruchtblatts.

Schematischer Querschnitt einer Fruchtwand mit drei beschrifteten Schichten und angrenzendem Samen

Bau des Perikarps: Exo-, Meso- und Endokarp gehen aus dem Fruchtblatt hervor, die Testa gehört zum Samen.

Innerhalb des Perikarps liegt der Samen mit seiner eigenen Hülle, der Testa. Sie entsteht aus den Integumenten der Samenanlage. Dass Perikarp und auch Mesokarp zur Frucht und nie zum Samen gehören, wird im Examen gerne gefragt.

In Fruchtdrogen findet man deshalb die Gewebe der Fruchtwand: Epidermis, Parenchym mit Leitbündeln und je nach Droge Steinzellen. Auch Reste der Placenta, an der die Samen ansaßen, können zur Droge gehören. Ein Periderm fehlt in der reifen Schließfrucht. Die Fruchtwand bildet kein Korkkambium, ihr Abschlussgewebe bleibt die Epidermis.

Beere

Die Beere ist eine Schließfrucht, deren gesamtes Perikarp im reifen Zustand unverholzt und fleischig bleibt. Auch das Endokarp ist weich. Die Samen liegen frei im Fruchtfleisch. Ihre Testa liegt dem Endokarp nicht fest an und ist nicht mit ihm verwachsen. Eine Beere gleicht einem prall gefüllten Beutel, in dem die Kerne lose schwimmen.

Pflanze Fruchttyp
Tomate (Solanum lycopersicum) Beere
Apfelsine (Citrus sinensis) Beere (Hesperidium)
Gartenkürbis (Cucurbita pepo) Beere
Tollkirsche (Atropa belladonna) Beere
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) Beere
Apfel (Malus domestica), Birne (Pyrus communis) Scheinfrucht (Apfelfrucht)
Wacholder (Juniperus communis) Beerenzapfen
Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) Steinfrucht

Die Orange ist eine besondere Beere, das Hesperidium. Bei Apfel und Birne bildet die Blütenachse das Fruchtfleisch. Das eigentliche Perikarp ist nur das pergamentartige Kerngehäuse, mehr dazu bei den Rosaceae. Die Wacholderbeere stammt von einem Nacktsamer. Sie ist ein Zapfen aus fleischig gewordenen Schuppen und damit gar keine Frucht. Der Kreuzdorn trägt Steinfrüchte mit harten Steinkernen.

🎯 Examensrelevant: Beere sicher zuordnen

Die Beere wird im Examen gerne gefragt: Keine Schicht des Perikarps verholzt, und die Testa ist frei. Achte bei Apfel, Birne, Wacholder und Kreuzdorn auf den Bau, nicht auf den Namen oder das saftige Aussehen.

Auf einem Pflanzenfoto erkennt man Beeren an fleischigen, geschlossenen, oft glänzenden Früchten, etwa der schwarzen Tollkirsche. Im Schnitt sieht man Samen im weichen Fruchtfleisch ohne harten Kern. Von anderen Fruchttypen grenzt man sie so ab:

  • Kapsel: trocken, öffnet sich mit Spalten, Poren oder Deckel.
  • Balgfrucht: aus einem Fruchtblatt, öffnet sich an einer Naht.
  • Steinfrucht: fleischig, aber mit hartem Stein um den Samen.
  • Sammelfrucht: viele Früchtchen aus einer Blüte, etwa Himbeere oder Erdbeere.

Steinfrucht

Die Steinfrucht ist ebenfalls eine Schließfrucht. Exokarp und Mesokarp bleiben unverholzt, das Endokarp dagegen verholzt zum harten Stein. Er umschließt den Samen. Die Testa ist mit dem Stein nicht verwachsen. Knackt man einen Kirschkern, fällt der Samen lose heraus.

Der Längsschnitt zeigt den Unterschied zur Beere. Bei der Kirsche ist nur die innerste Schicht hart, bei der Tomate keine.

Zwei Fruchtlängsschnitte nebeneinander, Tomate mit freien Samen im Fruchtfleisch und Kirsche mit hartem Stein um den Samen

Beere und Steinfrucht: Bei der Kirsche verholzt das Endokarp zum Stein, bei der Tomate bleibt das ganze Perikarp fleischig.

Steinfrüchte bilden die Kirsche, der Olivenbaum (Olea europaea), die Kokospalme (Cocos nucifera) und der Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica). Die Kokosnuss zeigt, dass das Mesokarp nicht saftig sein muss. Es ist dort faserig und liefert die Kokosfasern. Die harte Nussschale im Handel ist das Endokarp. Beim Kreuzdorn enthält eine Frucht mehrere Steinkerne.

An einem schematischen Querschnitt mit beschrifteten Schichten bestimmst du den Fruchttyp so:

  1. Schichten ordnen: Von außen nach innen Exokarp, Mesokarp, Endokarp und Testa zuordnen.
  2. Verholzung suchen: Ist nur das Endokarp verholzt, liegt eine Steinfrucht vor. Ist nichts verholzt, eine Beere.
  3. Testa prüfen: Ist sie frei, bleibt es bei Beere oder Steinfrucht. Ist sie mit der Fruchtwand verwachsen, handelt es sich um Achäne oder Karyopse.
💡 Merke

Beere: alles weich. Steinfrucht: innen hart. Achäne und Karyopse: Samen und Wand sind eins.

Achäne und Karyopse

Achäne und Karyopse sind trockene, einsamige Schließfrüchte. Bei beiden ist die Testa mit der Fruchtwand verwachsen oder liegt ihr fest an. Samen und Frucht lassen sich nicht trennen, deshalb hält man solche Früchte leicht für Samen. Ein Sonnenblumenkern ist in Wahrheit eine ganze Frucht.

Der Unterschied liegt in der Stellung des Fruchtknotens:

A Achäne

Nussähnliche Schließfrucht aus einem unterständigen Fruchtknoten. Typisch für die Asteraceae, etwa Sonnenblume und Mariendistel.

B Karyopse

Getreidekorn aus einem oberständigen Fruchtknoten. Typisch für die Poaceae, etwa Weizen und Mais.

Spaltfrüchte

Eine Spaltfrucht entsteht aus mehreren verwachsenen Fruchtblättern. Bei der Reife spaltet sie sich in geschlossene Teilfrüchte. Das bekannteste Beispiel ist die Doppelachäne der Apiaceae. Sie zerfällt in zwei Teilfrüchte, die zunächst an einem Fruchtträger hängen. In ihrer Fruchtwand liegen Ölgänge mit ätherischem Öl, die Fenchel, Anis und Kümmel ihr Aroma geben.

Schema einer Fenchelfrucht, die in zwei Teilfrüchte zerfällt, daneben Querschnitt mit Ölgängen zwischen den Rippen

Doppelachäne der Apiaceae: zwei Teilfrüchte mit Ölgängen in der Fruchtwand.

Zwei Teilfrüchte mit Ölgängen weisen also auf einen Doldenblütler. Die Scheibenfrucht der Malvaceae ist ebenfalls eine Spaltfrucht. Sie zerfällt in viele kreisförmig angeordnete Teilfrüchte. Die Klausenfrucht der Lamiaceae geht aus zwei verwachsenen Fruchtblättern hervor, nicht aus einem einzigen. Eine falsche Scheidewand teilt sie in vier einsamige Klausen. Sie springt nicht auf, sondern zerfällt in diese Teile.

Quiz

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richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Die Karyopse der Süßgräser geht aus einem oberständigen Fruchtknoten hervor.

Die Karyopse entsteht aus einem oberständigen, die Achäne aus einem unterständigen Fruchtknoten.

Aussage 2

Das Mesokarp ist ein Bestandteil der Samenschale.

Das Mesokarp ist die mittlere Schicht der Fruchtwand und gehört zur Frucht. Die Samenschale ist die Testa.

Aussage 3

Die Wacholderbeere ist eine Beere im morphologischen Sinn.

Wacholder ist ein Nacktsamer. Die Wacholderbeere ist ein Beerenzapfen aus fleischigen Schuppen und gar keine Frucht.

Aussage 4

Die Kokospalme bildet Steinfrüchte, deren hartes Endokarp als Kokosnussschale bekannt ist.

Exokarp und faseriges Mesokarp bleiben unverholzt, das Endokarp verholzt zur harten Schale.

Aussage 5

Bei der Steinfrucht ist die Samenschale mit dem verholzten Endokarp verwachsen.

Die Testa ist bei der Steinfrucht frei. Verwachsen sind Testa und Fruchtwand bei Achäne und Karyopse.

Aussage 6

In der Wand einer reifen Schließfrucht findet man typischerweise ein Periderm als Abschlussgewebe.

Die Fruchtwand bildet kein Korkkambium. Ihr Abschlussgewebe bleibt die Epidermis des Exokarps.

Aussage 7

Die Frucht der Apfelsine (Citrus sinensis) ist im morphologischen Sinn eine Beere.

Die Orange ist ein Hesperidium, eine besondere Form der Beere mit unverholztem Perikarp.

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