Rindendrogen: Definition und Gewebe
Was eine Cortex-Droge per Definition umfasst, welche Gewebe in ihr vorkommen und wie man Rindenquerschnitte und Schemata sekundär verdickter Sprossachsen deutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Cortex-Droge ist der außerhalb des Kambiums liegende Anteil sekundär verdickter Sprossachsen oder Wurzeln und enthält daher kein Holz.
- Cortex-Drogen stammen von Dikotylen, nicht von Monokotylen, denen echtes sekundäres Dickenwachstum fehlt.
- Rindendrogen enthalten Parenchym, Siebröhren, Phloemstrahlen, Bastfasern, Steinzellen und meristematische Zellen wie das Phellogen, aber keine Gefäße.
- Ungeschälte Rinden enthalten stets Phellem, geschälte Rinden wie Ceylon-Zimt dagegen keinen Kork.
- Im Tangentialschnitt erscheinen die Strahlen als spindelförmige, quer angeschnittene Zellgruppen.
Worum es geht
Viele Arzneidrogen sind Rinden, etwa Faulbaumrinde, Weidenrinde oder Zimtrinde. Welche Gewebe eine solche Droge enthalten darf, folgt direkt aus dem sekundären Dickenwachstum. Wer das verstanden hat, kann Rindenschnitte unter dem Mikroskop sicher deuten.
Definition der Cortex-Drogen
Eine Rindendroge entsteht erst, wenn eine Sprossachse oder Wurzel sekundär in die Dicke gewachsen ist. Das Kambium bildet dabei nach innen Holz und nach außen Bast. Die Rinde löst sich genau an diesem zartwandigen Kambiumring ab.
Eine Cortex-Droge ist der außerhalb des Kambiums liegende Anteil einer sekundär verdickten Sprossachse oder Wurzel. Sie enthält deshalb definitionsgemäß kein Holz und damit kein Xylem.
Die Grenze ist also das Kambium und nicht der Zentralzylinder. Dieser Begriff beschreibt den primären Bau der Wurzel und passt nicht zur sekundären Rinde. Cortex-Drogen stammen von Dikotylen (Rosopsida) unter den Bedecktsamern. Monokotyle (Liliopsida) liefern keine, weil ihnen ein Kambium für echtes sekundäres Dickenwachstum fehlt.
Gewebe in Rindendrogen
Eine Rindendroge umfasst meist primäre und sekundäre Rinde. Die primäre Rinde stammt noch aus dem jungen Spross. Die sekundäre Rinde ist der vom Kambium gebildete Bast. Nach außen schließt oft ein sekundäres Abschlussgewebe ab, das Periderm.
| Gewebe | Herkunft und Lage |
|---|---|
| Parenchym | Grundgewebe in primärer und sekundärer Rinde |
| Phloem mit Siebröhren | sekundäre Rinde (Bast) |
| Phloemstrahlen (Markstrahlen) | ziehen radial durch die sekundäre Rinde |
| Sklerenchym: Bastfasern, Steinzellen | eingestreut in Bast und primäre Rinde |
| Kork (Phellem), Phellogen, Phelloderm | Periderm, außen |
| Borke | abgestorbene Gewebe außerhalb innerer Periderme |
Die Markstrahlen enden nicht in der primären Rinde. Sie setzen sich als Phloemstrahlen durch die gesamte sekundäre Rinde fort. Bastfasern und Steinzellen gehören zum Sklerenchym und festigen die Rinde.
Auch meristematische Zellen findet man. Das Phellogen ist ein Folgemeristem des Periderms. Zudem können beim Ablösen Kambiumzellen an der Rinde haften bleiben.
Kork und Borke sind nicht in jeder Cortex-Droge vorhanden. Geschälte Rinden wie Ceylon-Zimt verlieren sie bei der Aufbereitung. Ungeschälte Rinden enthalten dagegen stets Phellem.
Siebröhren leiten Assimilate im Phloem, Gefäße (Tracheen) dagegen Wasser im Xylem. Rindendrogen enthalten Siebröhren, aber keine Gefäße, auch ungeschälte nicht.
Die Gewebeliste der Rindendroge wird im Examen gerne gefragt. Entscheidend ist der Gedanke: Alles außerhalb des Kambiums darf vorkommen, also Parenchym, Siebröhren, Strahlen, Sklerenchym, Phellogen und Kork, aber nichts aus dem Xylem.
Rindenquerschnitte deuten
Ein Schema einer sekundär verdickten Sprossachse liest man von innen nach außen. Innen liegen Mark und primäres Xylem, dann sekundäres Xylem. Es folgt der Kambiumring. Außerhalb davon liegen Bast, primäres Phloem, primäre Rinde und Periderm. Prüfe bei jeder Beschriftung, ob die Reihenfolge stimmt und ob das Xylem innen liegt.
Bei beginnendem Dickenwachstum liegen noch einzelne Leitbündel im Ring. Das faszikuläre Kambium sitzt im Bündel zwischen Xylem innen und Phloem außen. Das interfaszikuläre Kambium entsteht in den breiten Markstrahlen und schließt den Ring. Außen begrenzt noch die Epidermis.
Im Querschnitt der Faulbaumrinde (Frangula alnus) erkennt man außen das Periderm mit rotbraunem Kork und darunter das Phelloderm. Nach innen folgt die primäre Rinde. Die sekundäre Rinde enthält Bastfaserbündel und wird von schmalen Markstrahlen radial durchzogen.
Ob ein Präparat quer oder längs geschnitten ist, verraten die Strahlen. Im Querschnitt verlaufen sie als radiale Streifen. Im Radialschnitt erscheinen sie als quer liegende Bänder. Im Tangentialschnitt sind sie quer angeschnitten und wirken wie spindelförmige Zellgruppen zwischen den Fasern.
Quiz
Aussage 1
Cortex-Drogen sind als der Anteil einer Sprossachse definiert, der außerhalb des Zentralzylinders liegt.
Die Grenze ist das Kambium: Cortex-Drogen umfassen alles außerhalb des Kambiums einer sekundär verdickten Achse.
Aussage 2
Weil Rindendrogen Phloem enthalten, findet man in ihnen auch Gefäße.
Das Phloem leitet über Siebröhren. Gefäße gehören zum Xylem, das innerhalb des Kambiums liegt; Rindendrogen enthalten keine Gefäße.
Aussage 3
Eine ungeschälte Rindendroge enthält Phellem.
Ungeschälte Rinden tragen ihr Periderm noch, also auch den Kork (Phellem).
Aussage 4
In einem tangentialen Längsschnitt durch eine Rinde erscheinen die Strahlen als spindelförmige Zellgruppen.
Der Tangentialschnitt trifft die radial verlaufenden Strahlen quer, sodass sie spindelförmig zwischen den Fasern liegen.
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