Gynoeceum: Fruchtknoten und Plazentation
Wie das Gynoeceum aus Karpellen aufgebaut ist, wo der Fruchtknoten in der Blüte sitzt und wie die Samenanlagen darin angeordnet sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Gynoeceum ist die Gesamtheit der Karpelle einer Blüte; bei Angiospermen schließen sie die Samenanlagen im Fruchtknoten ein.
- Der Griffel verbindet Fruchtknoten und Narbe.
- Chorikarp heißt freie Karpelle mit je eigenem Fruchtknoten, coenokarp heißt zu einem Fruchtknoten verwachsen.
- Hypogyn bedeutet oberständig, perigyn mittelständig, epigyn unterständig.
- Bei parietaler Plazentation sitzen die Samenanlagen an der Wand oder an kurzen Wandleisten eines einfächerigen Fruchtknotens.
Worum es geht
Das Gynoeceum ist der weibliche Teil der Blüte. Die Stellung des Fruchtknotens, die Verwachsung der Fruchtblätter und die Lage der Samenanlagen sind Grundmerkmale, mit denen man Pflanzenfamilien bestimmt und Blütenformeln liest.
Fruchtknoten und Angiospermie
Das Gynoeceum umfasst alle Karpelle (Fruchtblätter) einer Blüte. Karpelle sind umgewandelte Blätter, also Blattmetamorphosen. Sie tragen die Samenanlagen, aus denen nach der Befruchtung die Samen werden.
Bei den Angiospermen (Bedecktsamern) umschließen die Karpelle die Samenanlagen in einem Hohlraum, dem Fruchtknoten. Daher stammt der Name. Über dem Fruchtknoten folgt der Griffel, ein schlanker Fortsatz. Er trägt an seiner Spitze die Narbe, die den Pollen auffängt.
Im schematischen Längsschnitt findest du den Griffel so: Suche in der Blütenmitte den bauchigen Fruchtknoten mit den Samenanlagen. Der dünne Stiel darüber bis zur verbreiterten Narbe ist der Griffel.
Bleiben die Karpelle frei, heißt das Gynoeceum chorikarp (apokarp). Jedes Karpell bildet dann einen eigenen Fruchtknoten, etwa beim Hahnenfuß (Ranunculaceae). Die Zahl der Karpelle ist nicht auf fünf begrenzt, oft sind es sehr viele. Sind die Karpelle zu einem einzigen Fruchtknoten verwachsen, ist das Gynoeceum coenokarp.
Stellung des Fruchtknotens
Die Stellung beschreibt, wo der Fruchtknoten relativ zum Ansatz von Blütenhülle und Staubblättern sitzt. Die Begriffe auf -gyn bezeichnen die Blüte, die Begriffe auf -ständig den Fruchtknoten.
| Blüte | Fruchtknoten | Lage | Beispiel |
|---|---|---|---|
| hypogyn | oberständig | sitzt über dem Ansatz der Blütenhülle | Ranunculaceae, Solanaceae |
| perigyn | mittelständig | steht frei in einem Becher, die Blütenhülle setzt am Becherrand an | viele Rosaceae |
| epigyn | unterständig | in die Blütenachse eingesenkt, Blütenhülle sitzt oben | Apiaceae, Asteraceae, Rubiaceae |
Hypo heißt unter: Die Blütenhülle setzt unter dem Fruchtknoten an, er ist also oberständig. Bei epi, also über, ist es umgekehrt.
Plazentation
Plazentation bezeichnet die Anordnung der Samenanlagen im Fruchtknoten. Sie sitzen an der Plazenta, einem Gewebe meist an den Karpellrändern. Am Querschnitt prüfst du zuerst, ob der Fruchtknoten gefächert ist. Dann schaust du, wo die Samenanlagen ansetzen.
| Typ | Sitz der Samenanlagen | Fruchtknoten |
|---|---|---|
| parietal | an der Wand oder an Wandleisten, die nicht bis zur Mitte reichen | einfächerig, z. B. Papaveraceae, Gentianaceae |
| zentral, zentralwinkelständig | an einer Mittelsäule in den Innenwinkeln der Fächer | durch Scheidewände gefächert |
| zentral, frei zentral | an einer freien Mittelsäule | einfächerig, z. B. Caryophyllaceae |
| laminal | flächig auf der Innenseite der Fruchtblätter | z. B. Seerose |
| basal | am Grund der Fruchtknotenhöhle | im Längsschnitt erkennbar |
| apikal | an der Spitze der Fruchtknotenhöhle | im Längsschnitt erkennbar |
Die Länge der Wandleisten entscheidet: Treffen die Scheidewände in der Mitte zusammen, ist die Plazentation zentralwinkelständig. Enden sie vorher, ist sie parietal.
Quiz
Aussage 1
Tragen in einem einfächerigen Fruchtknoten Wandleisten, die nicht bis zur Mitte reichen, die Samenanlagen, liegt parietale Plazentation vor.
Parietal heißt wandständig: Die Samenanlagen sitzen an der Wand oder an kurzen Wandleisten eines ungefächerten Fruchtknotens.
Aussage 2
Ein coenokarpes Gynoeceum besteht aus mehreren freien Fruchtknoten.
Freie Karpelle mit je eigenem Fruchtknoten kennzeichnen das chorikarpe Gynoeceum. Coenokarp bedeutet verwachsenblättrig, also ein einziger Fruchtknoten.
Aussage 3
Eine epigyne Blüte besitzt einen oberständigen Fruchtknoten.
Epigyne Blüten haben einen unterständigen, in die Blütenachse eingesenkten Fruchtknoten. Oberständig ist er bei hypogynen Blüten.
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