Drüsenhaare und Drüsenschuppen
Drüsenhaare und Drüsenschuppen sind epidermale Trichome, die ätherisches Öl unter ihre Cuticula abgeben; Asteraceae und Lamiaceae lassen sich an deren Bau unterscheiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Drüsenhaare und Drüsenschuppen sind sezernierende Trichome, die bei Asteraceae und Lamiaceae allein aus Teilungen von Epidermiszellen entstehen.
- Das ätherische Öl liegt nicht in den Drüsenzellen, sondern im Subcuticularraum zwischen Zellwand und abgehobener Cuticula.
- Die Asteraceen-Drüsenschuppe ist von der Basis an zweireihig aus etagenförmig gestapelten Zellpaaren gebaut und entsteht nicht schizogen.
- Asteraceae können Abwehrsekrete sowohl in Drüsenschuppen als auch in Milchröhren führen.
- Die Lamiaceen-Drüsenschuppe entsteht aus einem epidermalen Meristemoid und besteht aus Basalzelle, einer Stielzelle und 4, 8 oder 12 Drüsenzellen.
Worum es geht
Viele Ätherisch-Öl-Drogen wie Kamillenblüten oder Pfefferminzblätter tragen ihr Öl nicht im Inneren des Gewebes, sondern in winzigen Drüsen auf der Oberfläche. Diese Drüsen gehören zu den Exkretionsgeweben und sind ein wichtiges mikroskopisches Erkennungsmerkmal bei der Drogenprüfung.
Drüsenhaare als Trichome
Ein Drüsenhaar ist ein Pflanzenhaar, dessen Endzellen Sekrete bilden und ausscheiden. Eine Drüsenschuppe ist eine besondere Form davon: sehr kurz gestielt, mit einem flachen, mehrzelligen Köpfchen. Beide zählen zu den Exkretionsgeweben, die du von den Exkretbehältern im Inneren der Pflanze kennst.
Drüsenhaare und Drüsenschuppen von Asteraceae und Lamiaceae sind Trichome. Sie entstehen allein durch Teilungen von Epidermiszellen. Damit unterscheiden sie sich von Emergenzen wie den Stacheln der Rose, an deren Bildung subepidermale Zellen maßgeblich beteiligt sind.
Die Drüsenzellen speichern das ätherische Öl nicht in ihrem Zellinneren. Sie scheiden es nach außen aus. Dort hebt es die Cuticula blasenförmig von der Zellwand ab. So liegt das Öl gut geschützt auf der Zelle, ohne sie selbst zu vergiften.
Der Subcuticularraum ist der Hohlraum zwischen der Außenwand der Drüsenzellen und der abgehobenen Cuticula. Hier sammelt sich das ausgeschiedene ätherische Öl.
Drüsenhaare sitzen nicht auf sämtlichen Pflanzenteilen. Man findet sie vor allem auf Blättern, Stängeln und Blüten, je nach Art in unterschiedlicher Dichte.
Arzneibuch-Monographien zeigen die Drüsenhaartypen meist als Schema in Seitenansicht und Aufsicht. Zum Zuordnen prüfst du zuerst die Seitenansicht: Sind die Zellen zweireihig gestapelt, oder sitzt ein flaches Köpfchen auf einem Stiel? Dann bestätigt die Aufsicht den Befund über den Umriss. Die Merkmale beider Familien folgen in den nächsten Abschnitten.
Asteraceen-Drüsenschuppen
Die Drüsenschuppe der Asteraceae, auch Compositen-Drüsenschuppe, hat einen unverwechselbaren Bau. Ihre Zellen liegen paarweise nebeneinander, und mehrere solcher Paare sind etagenförmig übereinander gestapelt. Man kann sie sich wie ein schmales Hochhaus mit zwei Zimmern pro Stockwerk vorstellen.
Diese Zweireihigkeit beginnt schon an der Basis. Es gibt also keinen einreihigen Stiel, auf dem ein zweireihiges Köpfchen sitzt. In der Aufsicht erscheint die Schuppe länglich-oval mit einer mittleren Trennwand zwischen den beiden Zellreihen.
Das Öl sammelt sich an der Spitze in einem Subcuticularraum unter der abgehobenen Cuticulakappe. Asteraceae speichern ätherisches Öl also extrazellulär. Die Schuppe entsteht nicht schizogen. Es weichen also keine Zellen auseinander, um einen Interzellularraum zu bilden. Das Öl liegt außerhalb der Zellwand.
Die Asteraceen-Drüsenschuppe wird im Examen gerne gefragt. Erkennungsmerkmale sind das von der Basis an zweireihige, etagenförmige Köpfchen aus Zellpaaren und der Subcuticularraum an der Spitze. Achte darauf, dass sie nicht schizogen entsteht und kein einreihiger Stiel vorkommt.
Viele Asteraceae besitzen neben den Drüsenschuppen auch Milchröhren. Beide Systeme können Abwehrsekrete enthalten, etwa beim Löwenzahn (Taraxacum officinale) mit seinem bitteren Milchsaft. Typische Drogen mit Asteraceen-Drüsenschuppen sind Kamillenblüten (Matricaria chamomilla) und Arnikablüten (Arnica montana). Die Familie selbst behandelt die Seite Asteraceae.
Lamiaceen-Drüsenschuppen
Die Labiaten-Drüsenschuppe der Lamiaceae ist stets mehrzellig. Sie besteht aus drei Etagen: einer Basalzelle in der Epidermis, einer einzigen Stielzelle und einem flachen Köpfchen aus 4, 8 oder 12 sezernierenden Zellen. Das Köpfchen ist einschichtig und scheibenförmig.
In der Aufsicht wirkt die Schuppe kreisrund. Die Drüsenzellen sind strahlig angeordnet wie Tortenstücke. Das Öl sammelt sich im subcuticulären Raum unter einer flach gewölbten Cuticulakuppel.
Die Schuppe entsteht aus einem Meristemoid. So nennt man eine einzelne Zelle in einem Dauergewebe, die wieder teilungsfähig wird und eine spezialisierte Struktur aufbaut. Bei den Lamiaceae ist das eine Epidermiszelle. Die Drüsenschuppe ist also eine epidermale Bildung und geht nicht aus Hypodermiszellen hervor. Zur Teilungsfähigkeit von Zellen siehe Meristeme.
- Vorwölbung: Eine Epidermiszelle wölbt sich nach außen vor.
- Perikline Teilungen: Wände parallel zur Oberfläche gliedern sie in Basalzelle, Stielzelle und Köpfchenzelle.
- Antikline Teilungen: Senkrechte Wände teilen die Köpfchenzelle in 4, 8 oder 12 Drüsenzellen.
- Sekretion: Das Öl hebt die Cuticula ab und füllt den Subcuticularraum.
Die Blätter der Lamiaceae führen keine schizogenen Exkretbehälter. Ihr Öl steckt ausschließlich in den Drüsenhaaren. Beispiele sind Pfefferminze (Mentha × piperita), Salbei (Salvia officinalis) und Thymian (Thymus vulgaris). Mehr zur Familie findest du unter Lamiaceae.
Anders als die Apiaceae mit ihren schizogenen Exkretgängen speichern Lamiaceae und Asteraceae ihr Öl außen auf der Pflanze. Ein ölgefüllter Raum in einer Drüsenschuppe ist deshalb immer der Subcuticularraum.
Für das Zuordnen eines Schemas genügen wenige Merkmale:
| Merkmal | Asteraceae | Lamiaceae |
|---|---|---|
| Seitenansicht | von der Basis an zweireihig, Zellpaare in Etagen | Basalzelle, eine Stielzelle, flaches Köpfchen |
| Aufsicht | länglich-oval mit Mittelwand | kreisrund, Zellen strahlig |
| Drüsenzellen | paarweise übereinander | 4, 8 oder 12 in einer Schicht |
| Ölspeicher | Subcuticularraum an der Spitze | Subcuticularraum über dem Köpfchen |
Quiz
Aussage 1
Bei Drüsenschuppen der Lamiaceae wird das ätherische Öl im Cytoplasma der Drüsenzellen gespeichert.
Die Drüsenzellen geben das Öl nach außen ab. Es sammelt sich im Subcuticularraum zwischen Zellwand und abgehobener Cuticula.
Aussage 2
Lamiaceen-Drüsenschuppen gehen aus Zellen der Hypodermis hervor.
Sie entstehen aus einem Meristemoid der Epidermis und sind damit epidermale Bildungen.
Aussage 3
Asteraceae können Abwehrsekrete sowohl in Drüsenschuppen als auch in Milchröhren enthalten.
Viele Asteraceae wie der Löwenzahn besitzen beide Sekretsysteme nebeneinander.
Aussage 4
Bei der Lamiaceen-Drüsenschuppe sitzt ein Köpfchen aus 4, 8 oder 12 Drüsenzellen auf einer einzigen Stielzelle.
Die Schuppe gliedert sich in Basalzelle, eine Stielzelle und ein einschichtiges Köpfchen aus 4, 8 oder 12 Zellen.
Aussage 5
Die Drüsenschuppen der Asteraceae entstehen schizogen durch Auseinanderweichen von Zellen.
Sie entstehen nicht schizogen. Das Öl liegt extrazellulär unter der abgehobenen Cuticula.
Aussage 6
Asteraceen-Drüsenschuppen sind bereits von ihrer Basis an zweireihig aufgebaut.
Die Zellpaare liegen von unten an etagenförmig übereinander, ein einreihiger Stiel fehlt.
Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️
Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.