Laubblatt: Gliederung, Formen und Metamorphosen
Wie man ein Laubblatt in Unterblatt und Oberblatt gliedert, Fiederungstypen und Blattstellung bestimmt und umgebildete Blätter wie Ranken, Dornen und Zwiebelschuppen einordnet.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Laubblatt gliedert sich in das Unterblatt am Knoten und das Oberblatt darüber.
- Das Unterblatt ist der Blattgrund samt Stipeln; Blattstiel, Spreite, Rhachis und Fiederblättchen gehören zum Oberblatt.
- Unpaarig gefiederte Blätter enden mit einem Endblättchen, paarig gefiederten fehlt es; bei doppelt gefiederten sind die Fiedern nochmals gefiedert.
- Gegenständig: zwei Blätter je Knoten einander gegenüber; wechselständig: ein Blatt je Knoten.
- Blattranken, Blattdornen und Zwiebelschuppen sind Blattmetamorphosen; Blatt- und Sprossdornen sind nur analog.
Worum es geht
Das Laubblatt lässt sich in feste Abschnitte gliedern, deren Namen man an Schemazeichnungen sicher zuordnen muss. Diese Grundbegriffe braucht man, um Arzneipflanzen und Blattdrogen zu beschreiben und Familien wie Rosen- oder Hülsenfrüchtler zu erkennen.
Unterblatt und Oberblatt
Jedes Blatt sitzt mit seinem Unterblatt am Knoten der Sprossachse, dem Nodium. Das Unterblatt ist der Blattgrund, gegebenenfalls samt Nebenblättern (Stipeln). Stipeln sind kleine Anhängsel, die als Auswüchse aus dem Blattgrund hervorgehen.
Alles darüber bildet das Oberblatt: Blattstiel, Spreite und bei Fiederblättern die Rhachis mit den Fiederblättchen. Bei den Dikotylen entsteht die Spreite in der Regel nicht allein aus dem Unterblatt.
Auf einer Skizze sucht man das Unterblatt deshalb ganz unten am Knoten: die Ansatzstelle mit den beiden Stipeln.
Das Unterblatt ist ein Abschnitt am Blattansatz. Mit der morphologischen Blattunterseite hat es nichts zu tun, ebenso wenig mit Niederblättern. Die Rosettenblätter zweijähriger Pflanzen wie Verbascum sind vollständige Laubblätter.
Gefiederte Blätter
Die Rhachis ist die Blattspindel, an der die Fiederblättchen sitzen. Endet sie mit einem einzelnen Endblättchen, ist das Blatt unpaarig gefiedert. Fehlt dieses Endblättchen, ist es paarig gefiedert. Zählt man die Blättchen mit, ergeben drei Fiederpaare plus Endblättchen ein siebenzählig unpaarig gefiedertes Blatt.
Sitzen die Blättchen direkt an der Hauptachse, ist das Blatt einfach gefiedert. Sind die Fiedern selbst nochmals gefiedert, heißt es doppelt gefiedert.
Unpaarig gefiederte Blätter mit Stipeln kennt man etwa von der Rose aus den Rosaceae und von vielen Fabaceae.
Blattstellung und Nervatur
Die Blattstellung bestimmt man, indem man die Blätter je Knoten zählt. Gegenständig heißt: Zwei Blätter entspringen an einem Knoten einander gegenüber. Wechselständig heißt: Jeder Knoten trägt nur ein Blatt, die Blätter stehen versetzt in einer Schraube.
Blätter entstehen außen am Vegetationskegel, also exogen. Der Endodermis der Sprossachse entspringen sie nicht.
Auch die Nervatur hilft beim Bestimmen. Das Maiglöckchen (Convallaria majalis, Convallariaceae) hat parallel- bis bogennervige Blätter. Die Primelgewächse (Primulaceae) haben dagegen netznervige Blätter.
Blattmetamorphosen
Eine Blattmetamorphose ist ein Blatt, das für eine andere Aufgabe umgebaut ist. Ganze Blätter oder einzelne Fiedern können zu Ranken werden, etwa die oberen Fiedern bei der Erbse. Auch Zwiebelschuppen sind umgewandelte Blätter. Die Berberitze bildet Blattdornen.
Blattranken und Blattdornen sind homolog, denn beide gehen auf ein Blatt zurück. Der Sprossdorn des Weißdorns sieht ähnlich aus, ist aber ein umgewandelter Seitenspross. Blatt- und Sprossdorn sind deshalb nur analog.
Unterscheiden kann man sie an der Stellung zur Blattachsel. In der Achsel des Blattdorns sitzt ein Kurztrieb. Der Sprossdorn wächst dagegen selbst aus der Achsel eines Laubblatts.
Quiz
Aussage 1
Die Nebenblätter am Ansatz eines Rosenblattes gehören zum Oberblatt.
Stipeln sind Auswüchse des Blattgrundes und gehören damit zum Unterblatt. Zum Oberblatt zählen Stiel, Spreite, Rhachis und Fiederblättchen.
Aussage 2
Ein Fiederblatt mit vier Fiederpaaren und einem einzelnen Blättchen am Ende der Rhachis ist unpaarig gefiedert.
Das Endblättchen am Ende der Rhachis kennzeichnet das unpaarig gefiederte Blatt, hier neunzählig.
Aussage 3
Die Blattdornen der Berberitze und die Sprossdornen des Weißdorns sind homologe Organe.
Blattdornen sind umgewandelte Blätter, Sprossdornen umgewandelte Seitensprosse. Sie sind daher nur analog. Homolog sind dagegen Blattdornen und Blattranken.
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