Samenpflanzen

Anatomie des Laubblatts

Wie Mesophyll, Leitbündel und Spaltöffnungen im Laubblatt angeordnet sind und wie man bifaziale und äquifaziale Blätter im Querschnitt erkennt.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Das Mesophyll ist das Assimilationsgewebe zwischen den Epidermen. Sein Bau unterscheidet bifaziale, äquifaziale und unifaziale Blätter.
  • Im bifazialen Blatt liegt Palisadenparenchym oben und Schwammparenchym unten. So sind die meisten einheimischen Rosopsida gebaut, auch Belladonna und Pfefferminze.
  • Das äquifaziale Blatt hat Palisadenparenchym an beiden Seiten, etwa Senna und Eucalyptus.
  • In den kollateralen Blattleitbündeln liegt das Xylem oben und das Phloem unten. Größere Bündel tragen oft Sklerenchymkappen.
  • Bifaziale Blätter sind meist hypostomatisch mit einer Atemhöhle über jeder Spaltöffnung. Schwimmblätter sind epistomatisch.

Worum es geht

Der innere Bau eines Laubblatts verrät, wie es belichtet wird und wo es Gase austauscht. In der Drogenanalytik braucht man diesen Bau, um Blattdrogen wie Senna, Pfefferminze oder Belladonna im mikroskopischen Schnitt zu erkennen.

Bifazialer Blattbau

Das Gewebe zwischen oberer und unterer Epidermis heißt Mesophyll. Es ist das Assimilationsgewebe des Blattes, in dem die Photosynthese abläuft. Ein Blatt ist bifazial, wenn es eine unterscheidbare Ober- und Unterseite hat und das Mesophyll auf beiden Seiten verschieden gebaut ist.

Oben liegt das Palisadenparenchym. Seine langen, dicht stehenden Zellen stehen senkrecht zur Oberfläche und fangen das einfallende Licht ab. Darunter folgt bis zur unteren Epidermis das lockere Schwammparenchym mit großen Interzellularen. Man kann es sich wie einen Schwamm vorstellen, durch dessen Hohlräume die Gase ziehen.

Schema eines Blattquerschnitts mit langen Palisadenzellen unter der oberen Epidermis und lockerem Schwammparenchym über der unteren Epidermis

Bifaziales Laubblatt im Querschnitt: Palisadenparenchym oben, Schwammparenchym unten, Spaltöffnungen vorwiegend unterseits.

Die meisten einheimischen Rosopsida haben bifaziale Blätter. Dazu gehören auch Belladonnablatt und Pfefferminzblatt. Beide Drogen sind also nicht äquifazial gebaut.

Äquifazialer Blattbau

Beim äquifazialen Blatt liegt Palisadenparenchym unter der oberen und über der unteren Epidermis. Im Querschnitt sehen beide Seiten deshalb gleich aus. Solche Blätter stehen oft steil und werden von beiden Seiten gleichmäßig belichtet. Typische Beispiele sind die Sennesblätter, also die Fiederblättchen von Senna, und die Eucalyptusblätter.

Zwei Blattquerschnitte nebeneinander, links mit Palisaden nur oben, rechts mit Palisaden oben und unten

Bifazial und äquifazial im Vergleich: Beim Sennesblatt steht Palisadenparenchym an beiden Seiten.

Zwischen den beiden Palisadenschichten liegt eine Mittelzone mit den Leitbündeln. Davon zu trennen ist das unifaziale Blatt. Seine gesamte Oberfläche geht aus nur einer Blattseite hervor, etwa beim Schwertblatt der Iris.

⚠️ Achtung: Äquifazial richtig benennen

Die innere Schicht unter der unteren Palisadenschicht eines äquifazialen Blattes ist kein Schwammparenchym. Äquifazial und unifazial bezeichnen Blattbautypen und haben mit Spaltöffnungstypen nichts zu tun.

Leitbündel im Blatt

Die Blattadern sind kollaterale Leitbündel, die im Mesophyll eingebettet liegen. Ihre Ausrichtung ergibt sich aus dem Spross. Dort liegt das Xylem innen und das Phloem außen. Zweigt ein Bündel ins Blatt ab, wird seine Innenseite zur Blattoberseite.

Längsschema von Stängel und abzweigendem Blatt mit farbig markiertem Xylem innen bzw. oben und Phloem außen bzw. unten

Vom Spross ins Blatt: Die Innenseite des Bündels mit dem Xylem wird zur Blattoberseite.
💡 Merke

Im Blattleitbündel liegt das Xylem zur Oberseite, das Phloem zur Unterseite. Das gilt für bifaziale wie für äquifaziale Blätter.

Größere Bündel tragen oft Sklerenchymkappen, die das Blatt festigen. Unter dem Leitbündel der Mittelrippe liegt Grundgewebe, kein Cambium. Das Wasser fließt im Xylem. Das Interzellularsystem dient dagegen dem Gasaustausch.

Spaltöffnungsverteilung

Bei bifazialen Blättern liegen die Spaltöffnungen vorwiegend in der unteren Epidermis. Ein solches Blatt heißt hypostomatisch. Die Oberseite trägt also weniger Spaltöffnungen als die Unterseite.

Über jeder Spaltöffnung der Unterseite liegt eine Atemhöhle. Das ist ein großer Interzellularraum, der in das Schwammparenchym übergeht. Von dort verteilen sich die Gase im Blatt.

Epistomatisch sind Schwimmblätter wie die der Seerose. Ihre Unterseite liegt im Wasser, deshalb sitzen die Spaltöffnungen nur oben. Trägt ein Blatt auf beiden Seiten Spaltöffnungen, ist es amphistomatisch. Das kommt bei äquifazialen, aber auch bei vielen bifazialen Blättern vor.

Blattquerschnitte deuten

In einer Querschnittsskizze ordnet man die Gewebe am besten von außen nach innen. Mit dieser Reihenfolge lässt sich auch eine vorgegebene Beschriftung Punkt für Punkt prüfen.

  1. Palisaden suchen: Stehen lange Zellen nur oben, ist das Blatt bifazial und darunter folgt Schwammparenchym. Stehen sie oben und unten, ist es äquifazial.
  2. Epidermis prüfen: Ein Hohlraum über einer Spaltöffnung ist die Atemhöhle. Ein Stiel mit Köpfchen auf der Epidermis ist ein Drüsenhaar.
  3. Leitbündel gliedern: Die weitlumigen Gefäße zur Oberseite sind Xylem. Die kleinen, dünnwandigen Zellen zur Unterseite sind Phloem.
  4. Begleitgewebe zuordnen: Dickwandige Zellen als Kappe am Bündel sind Sklerenchym. Eine Reihe von Zellen mit Calciumoxalatkristallen ist die Kristallzellschicht.
🎯 Examensrelevant: Gewebe im Blattquerschnitt

Gewebe in einer Blattskizze zu benennen und Beschriftungen zu prüfen, wird im Examen gerne gefragt. Achte beim äquifazialen Blatt darauf, dass auch die untere Schicht Palisadenparenchym ist und das Phloem im Bündel zur Unterseite liegt.

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Aussage 1

Im Fiederblättchen von Senna liegt sowohl unter der oberen als auch über der unteren Epidermis Palisadenparenchym.

Sennesblätter sind äquifazial und tragen Palisadenparenchym an beiden Seiten.

Aussage 2

Belladonnablätter sind äquifazial gebaut und tragen Palisadenparenchym auf beiden Seiten.

Belladonnablätter sind bifazial: Palisadenparenchym liegt nur oben, darunter folgt Schwammparenchym.

Aussage 3

Im Leitbündel eines Laubblatts ist das Phloem zur Blattoberseite hin ausgerichtet.

Das Xylem liegt zur Oberseite, das Phloem zur Unterseite. Die Innenseite des Sprossbündels wird zur Blattoberseite.

Aussage 4

Über einer Spaltöffnung in der unteren Epidermis eines bifazialen Blattes liegt eine Atemhöhle.

Die Atemhöhle ist ein großer Interzellularraum über der Spaltöffnung, der ins Schwammparenchym übergeht.

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