Basidiomyceten und die Gattung Amanita
Wie Ständerpilze ihre Sporen bilden, was ein Fruchtkörper ist und woran man Fliegenpilz und Grünen Knollenblätterpilz als Arten der Gattung Amanita erkennt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Basidiomycota (Ständerpilze) sind eine Pilzabteilung, die makroskopische Fruchtkörper bildet und ihre Sporen auf Basidien erzeugt.
- Basidiosporen entstehen nach Meiose exogen auf Sterigmen, meist vier je Basidie. Ascosporen reifen dagegen endogen im Ascus.
- Der sichtbare Hut-Stiel-Körper ist der Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz ist das Mycel im Substrat.
- Amanita ist eine Basidiomyceten-Gattung mit großen Hutpilzen. Der Fliegenpilz Amanita muscaria gehört dazu und bildet Basidiosporen, keine Ascosporen.
- Den Fliegenpilz erkennt man an rotem Hut, weißen Flocken und Manschette. Den Grünen Knollenblätterpilz an grünlichem Hut, weißen Lamellen, Ring und häutiger Volva.
- Der Knollenblätterpilz entwickelt sich aus einem weißen Ei-Stadium. Die Reste der Gesamthülle bilden später die Volva am Stielgrund.
Worum es geht
Die meisten Pilze, die man im Wald als Hutpilz sieht, gehören zu den Basidiomyceten. Zu ihnen zählt die Gattung Amanita mit dem Fliegenpilz und dem Grünen Knollenblätterpilz, der für die meisten tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich ist. Für die Pharmazie heißt das: Man muss diese Pilze systematisch einordnen und auf Abbildungen sicher erkennen können.
Ständerpilze im Überblick
Die Basidiomycota oder Ständerpilze sind eine Abteilung der Pilze. Zu ihnen gehören fast alle Großpilze: Hutpilze wie Champignon und Steinpilz, aber auch Baumschwämme. Ihren Namen verdanken sie einer besonderen Zelle, die die Sporen trägt.
Die Basidie ist eine meist keulenförmige Zelle, in der Kernverschmelzung und Meiose ablaufen. Sie bildet außen auf kleinen Stielchen, den Sterigmen, typischerweise vier Basidiosporen.
Die Basidiospore ist also eine Meiospore, die exogen entsteht: Sie sitzt außen an der Basidie wie eine Kugel auf einem Stäbchen. Beim Ablauf in der Basidie hilft eine kurze Abfolge:
- Paarkernstadium: Die junge Basidie enthält zwei getrennte haploide Kerne.
- Karyogamie: Die beiden Kerne verschmelzen zu einem diploiden Kern.
- Meiose: Es entstehen vier haploide Kerne.
- Sporenbildung: Jeder Kern wandert über ein Sterigma in eine außen gebildete Basidiospore.
Ganz anders arbeiten die Schlauchpilze. Ihr Ascus ist ein Schlauch, in dessen Innerem meist acht Ascosporen endogen heranreifen. Die Abbildung stellt beide Sporenträger nebeneinander.
Basidie: Sporen außen, meist vier. Ascus: Sporen innen, meist acht.
Fruchtkörper
Der eigentliche Pilz ist ein Geflecht aus Hyphen, das Mycel. Es wächst unsichtbar im Boden oder im Holz. Basidiomyceten leben heterotroph: Sie nehmen organische Stoffe aus ihrer Umgebung auf, als Zersetzer, Parasiten oder Mykorrhizapartner.
Was wir sammeln, ist nur ein Teil davon. Der sichtbare Körper aus Hut und Stiel ist der Fruchtkörper. Er besteht aus dicht verflochtenen Hyphen und dient allein der Sporenbildung und -verbreitung. Man kann ihn mit dem Apfel eines Baumes vergleichen, der im Boden verborgen bleibt. Basidiomyceten bilden solche makroskopischen Fruchtkörper, also mit bloßem Auge gut sichtbare Gebilde.
An einem typischen Hutpilz erkennt man den Bauplan sofort:
- Hut: schützt die sporenbildende Unterseite.
- Lamellen oder Röhren: vergrößern die Fläche an der Hutunterseite.
- Hymenium: Fruchtschicht auf Lamellen oder Röhren, dicht besetzt mit Basidien.
- Stiel: hebt den Hut an, damit der Wind die Sporen verteilt.
Siehst du auf einem Bild einen Pilz mit Hut, Stiel und Lamellen oder Röhren, liegt also der Fruchtkörper eines Basidiomyceten vor. Auch konsolenförmige Baumschwämme sind Fruchtkörper von Ständerpilzen.
Einordnung von Amanita
Amanita ist eine Gattung der Basidiomycota. Auf Deutsch heißen ihre Arten Wulstlinge. Es sind Hutpilze mit großen, auffälligen Fruchtkörpern und weißen Lamellen. Die Einordnung zeigt die Stufen von oben nach unten:
| Rang | Taxon |
|---|---|
| Reich | Pilze (Fungi) |
| Abteilung | Basidiomycota |
| Ordnung | Agaricales (Blätterpilze) |
| Gattung | Amanita |
| Arten | Amanita muscaria (Fliegenpilz), Amanita phalloides (Grüner Knollenblätterpilz) |
Der Fliegenpilz heißt wissenschaftlich Amanita muscaria. Er gehört damit zur Gattung Amanita und wie alle ihre Arten zu den Basidiomyceten. Die Zuordnung zu den Ständerpilzen und nicht zu den Schlauchpilzen wird im Examen gerne gefragt. Entscheidend ist dabei die Sporenform: Amanita bildet Basidiosporen und keine Ascosporen.
Das folgt direkt aus dem Bau. Auf den Lamellen sitzt das Hymenium mit seinen Basidien. Jede Basidie schnürt außen ihre vier Sporen ab. Einen Ascus mit innen liegenden Sporen findet man bei Amanita nicht. Ein abgebildeter Amanita-Fruchtkörper gehört deshalb sicher zu den Basidiomycota und nicht zu den Ascomycetes.
Fliegenpilz und Knollenblätterpilz
Beide Arten erkennt man an Merkmalen ihres Fruchtkörpers. Viele davon gehen auf zwei Hüllen zurück, die den jungen Pilz umgeben. Die Gesamthülle umschließt den ganzen jungen Fruchtkörper. Die Teilhülle spannt sich vom Hutrand zum Stiel und schützt die Lamellen. Reißen sie auf, bleiben typische Reste: Flocken auf dem Hut, eine Knolle oder Scheide am Stielgrund und ein Ring am Stiel.
| Merkmal | Fliegenpilz (A. muscaria) | Grüner Knollenblätterpilz (A. phalloides) |
|---|---|---|
| Hut | leuchtend rot bis orange | olivgrün bis gelbgrün, faserig, meist glatt |
| Hutoberfläche | weiße Flocken (Hüllreste) | meist ohne Flocken |
| Lamellen | weiß | weiß |
| Stiel | weiß, mit hängender Manschette | weißlich, mit Ring (Manschette) |
| Stielbasis | Knolle mit Warzengürteln | Knolle in häutiger, sackartiger Volva |
Der Fliegenpilz ist durch die Kombination aus rotem Hut, weißen Flecken und Manschette unverwechselbar. Seine Farbe stammt von Pigmenten in der Huthaut. Regen kann die Flocken abwaschen. Dann helfen weiße Lamellen, Ring und knollige Basis weiter.
Das Erkennen von Fliegenpilz und Knollenblätterpilz auf Abbildungen ist ein Examensklassiker. Achte auf die Gattungsmerkmale weiße Lamellen, Ring und Knolle oder Volva sowie beim Knollenblätterpilz auf seine Entwicklungsstadien vom Ei bis zum reifen Pilz.
Der Grüne Knollenblätterpilz wird oft in mehreren Stadien gezeigt. Ihr Ablauf folgt aus der Gesamthülle:
- Ei-Stadium: Ein weißes, eiförmiges Gebilde. Im Längsschnitt sieht man darin Hut, Lamellen und Stiel bereits angelegt.
- Durchbruch: Der wachsende Pilz sprengt die Hülle oben auf.
- Junger Fruchtkörper: Der Hut ist noch glockig, die Teilhülle bedeckt die Lamellen.
- Reifer Fruchtkörper: Der Hut ist flach gewölbt. Am Stiel hängt der Ring, unten steckt die Knolle in der Volva.
Die Volva sitzt oft im Boden. Wer den Pilz abschneidet statt ihn ganz herauszudrehen, verliert das wichtigste Merkmal.
Junge Knollenblätterpilze ähneln Champignons. Der Champignon hat jedoch rosa bis schokoladenbraune Lamellen und keine Volva, der Knollenblätterpilz stets weiße Lamellen.
Der Knollenblätterpilz ist so gefährlich, weil er hitzestabile, leberschädigende zyklische Peptide enthält. Diese Amanita-Toxine gehören wie das Aflatoxin zu den Mycotoxinen. Ein hepatotoxischer Pilz mit weißen Lamellen, Ring und Volva auf einem Bild ist deshalb fast immer ein Knollenblätterpilz.
Quiz
Aussage 1
Ein Ascus trägt typischerweise vier Sporen, die außen auf Sterigmen sitzen.
Das beschreibt die Basidie. Im Ascus reifen meist acht Ascosporen im Inneren des Schlauchs.
Aussage 2
Wulstlinge der Gattung Amanita vermehren sich über Ascosporen und zählen zu den Schlauchpilzen.
Amanita gehört zu den Basidiomycota und bildet Basidiosporen. Ascosporen sind den Ascomyceten vorbehalten.
Aussage 3
Ein Pilz mit rotem Hut, weißen Flocken und hängender Manschette am weißen Stiel ist der Fliegenpilz.
Diese Merkmalskombination kennzeichnet Amanita muscaria. Die Flocken sind Reste der Gesamthülle.
Aussage 4
Im Ei-Stadium des Knollenblätterpilzes zeigt ein Längsschnitt den bereits angelegten Hut und Stiel innerhalb der Hülle.
Der junge Fruchtkörper ist vollständig von der Gesamthülle umschlossen. Nach dem Durchbruch bleibt deren Rest als Volva.
Aussage 5
Amanita muscaria bildet auf den Lamellen Basidiosporen und gehört deshalb zu den Basidiomycota.
Das Hymenium auf den Lamellen trägt Basidien. Der Fliegenpilz ist ein Ständerpilz der Gattung Amanita.
Aussage 6
Der reife Grüne Knollenblätterpilz hat rosa bis braune Lamellen.
Seine Lamellen sind stets weiß. Rosa bis braune Lamellen hat der Champignon.
Aussage 7
Der Hut-Stiel-Körper eines Steinpilzes ist der gesamte Pilzorganismus.
Hut und Stiel bilden nur den Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz ist das Mycel im Boden.
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