Nervensystem

Rückenmark, Spinalwurzeln und peripheres Nervensystem

Die Einheit erklärt Lage und Abschnitte des Rückenmarks, seinen Querschnitt mit grauer und weißer Substanz, die Hörner und Spinalwurzeln sowie die Zuordnung zum peripheren Nervensystem.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Das Rückenmark ist der Teil des ZNS im Wirbelkanal. Es folgt auf die Medulla oblongata mit Zervikal-, Thorakal- und Lumbalmark und endet beim Erwachsenen bei L1/L2.
  • Graue Substanz enthält viele Perikaryen, weiße Substanz vor allem myelinisierte Axone. Im Rückenmark liegt die graue Substanz innen, im Großhirn bildet sie die Rinde.
  • Vorderhorn: Motoneuron-Perikaryen. Seitenhorn (thorakal): präganglionäre sympathische Neurone. Hinterhorn: sensible Verschaltung.
  • Die afferente Hinterwurzel trägt das Spinalganglion mit primär afferenten Neuronen, die efferente Vorderwurzel hat kein Ganglion.
  • Beide Wurzeln vereinigen sich zum gemischten Spinalnerv, der wie α-Motoneurone und postganglionäre sympathische Neurone zum PNS gezählt wird.

Worum es geht

Das Rückenmark verbindet das Gehirn mit Rumpf und Gliedmaßen und verschaltet einfache Reflexe selbst. Wer seinen Querschnitt lesen kann, versteht, wo Lokalanästhetika bei der Spinalanästhesie angreifen und warum Schmerzmittel wie Opioide auch im Hinterhorn wirken.

Lage und Abschnitte

Das Rückenmark (Medulla spinalis) ist der Teil des ZNS im Wirbelkanal. Es schließt kaudal an die Medulla oblongata an. Von kranial nach kaudal folgen Zervikalmark, Thorakalmark und Lumbalmark, danach das kurze Sakralmark.

Beim Erwachsenen ist das Rückenmark kürzer als die Wirbelsäule, weil diese in der Entwicklung stärker wächst. Es endet als Conus medullaris etwa in Höhe des 1. bis 2. Lendenwirbels (L1/L2). Darunter ziehen nur noch Nervenwurzeln als Cauda equina abwärts. Deshalb kann man zwischen L3 und L4 Liquor punktieren, ohne das Rückenmark zu treffen.

Sagittalschnitt der Wirbelsäule mit Rückenmark, das in Höhe des ersten bis zweiten Lendenwirbels endet, und darunter liegendem Faserbündel

Das Rückenmark endet beim Erwachsenen etwa bei L1/L2, darunter verläuft nur die Cauda equina.

Funktionell leitet das Rückenmark in beide Richtungen. Es führt motorische Erregungen vom Gehirn zur Muskulatur und sensible Erregungen aus der Peripherie zum Gehirn. Außerdem verschaltet es Reflexe auf eigener Ebene.

Graue und weiße Substanz

Im Schnitt durch Gehirn oder Rückenmark sieht man zwei Gewebearten. Die graue Substanz enthält viele Nervenzellkörper (Perikaryen). Hier wird Information verschaltet. Die weiße Substanz besteht vor allem aus Axonen mit ihren Myelinscheiden. Das fettreiche Myelin lässt sie hell erscheinen. Sie ist arm an Perikaryen und dient der Leitung.

Beide Substanzen kommen in Gehirn und Rückenmark vor und gehören zum ZNS. Ihre Anordnung ist aber umgekehrt. Im Großhirn liegt die graue Substanz außen als Großhirnrinde. Im Rückenmark liegt sie innen, umhüllt von einem Mantel aus weißer Substanz.

⚠️ Achtung: Graue Substanz und Substantia nigra

Die graue Substanz verdankt ihre Farbe den Zellkörpern und dem geringen Myelingehalt, nicht einem hohen Melaningehalt. Melaninreich ist die Substantia nigra im Mittelhirn, ein eigenes Kerngebiet und kein Synonym für graue Substanz.

Hörner der grauen Substanz

Im Querschnitt ist die graue Substanz des Rückenmarks schmetterlingsförmig. Jede Hälfte läuft nach vorn und hinten in Fortsätze aus, die Hörner. Im Thorakalmark kommt seitlich ein kleiner dritter Zipfel hinzu.

Horn Lage und Form Neurone
Vorderhorn ventral, breit Perikaryen der somatomotorischen Neurone (Motoneurone)
Seitenhorn lateral, klein, vor allem thorakal präganglionäre sympathische Neurone
Hinterhorn dorsal, schmal Neurone der sensiblen Verschaltung

Die Lage folgt der Funktion. Motoneurone schicken ihr Axon nach ventral hinaus und liegen deshalb vorn. Sensible Fasern treten dorsal ein und werden im Hinterhorn umgeschaltet. Das Seitenhorn ist der Ursprung des Sympathikus. Eigenschaften der Motoneurone behandelt die Einheit zu α-Motoneuronen.

Die weiße Substanz enthält keine Perikaryen von Motoneuronen. Sie gliedert sich in Stränge aus auf- und absteigenden Bahnen. Der Hinterstrang liegt zwischen den beiden Hinterhörnern, beiderseits der dorsalen Mittellinie.

🎯 Examensrelevant: Neurone der drei Hörner

Die Zuordnung wird im Examen gerne gefragt: Motoneuron-Perikaryen liegen ausschließlich im Vorderhorn, präganglionäre Sympathikus-Neurone im thorakalen Seitenhorn. Das Hinterhorn enthält nur sensible Verschaltungsneurone und damit auch keine efferenten Sympathikus-Zellkörper.

Querschnitt lesen

Ein Schema ordnest du in drei Schritten.

  1. Dorsal finden: Die Wurzel mit der Verdickung, dem Spinalganglion, tritt hinten ein. Auf dieser Seite liegt das schmale Hinterhorn.
  2. Ventral bestätigen: Gegenüber liegen das breite Vorderhorn, die Vorderwurzel ohne Ganglion und die tiefe Fissura mediana anterior.
  3. Beschriftung prüfen: In der Hinterwurzel zeigen die Faserpfeile zum Rückenmark, in der Vorderwurzel von ihm weg. Ein Seitenhorn zwischen beiden Hörnern spricht für Thorakalmark.

Schema eines Rückenmarksquerschnitts mit grauem Schmetterling, drei Hörnern je Seite, weißem Mantel und zwei Nervenwurzeln, die sich zum Spinalnerven vereinigen

Querschnitt durch das Thorakalmark: Das Spinalganglion an der Hinterwurzel markiert die dorsale Seite.

Wurzeln und Spinalganglion

Jedes Rückenmarkssegment entlässt beidseits zwei Wurzeln. Die Hinterwurzel führt afferente Fasern. Über sie treten sensorische Erregungen aus der Peripherie ins Rückenmark ein. In ihr liegt das Spinalganglion, eine Verdickung mit den Zellkörpern der primär afferenten, somatosensiblen Neurone. Diese Neurone sind pseudounipolar. Ihr Perikaryon sitzt wie ein Abzweig seitlich an einer durchgehenden Leitung vom Rezeptor bis ins Hinterhorn.

Die Vorderwurzel tritt ventral aus. Sie führt efferente Fasern, vor allem die Axone der Motoneurone aus dem Vorderhorn. Sie besitzt kein Ganglion und enthält keine Zellkörper sensibler Neurone.

Schema mit sensiblem Neuron, dessen Zellkörper im Spinalganglion liegt, und Motoneuron, dessen Axon über die Vorderwurzel zum Muskel zieht

Hinten hinein, vorne hinaus: Die sensible Afferenz läuft über die Hinterwurzel, die motorische Efferenz über die Vorderwurzel.

Seitlich vereinigen sich beide Wurzeln zum Spinalnerv. Er ist ein gemischter Nerv mit afferenten und efferenten Fasern und verlässt den Wirbelkanal durch das Zwischenwirbelloch.

Peripheres Nervensystem

Zum peripheren Nervensystem gehört das Nervengewebe außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Dazu zählen die Spinalnerven samt Spinalganglien, das Spinalganglion ist also kein Teil des Gehirns. Auch α-Motoneurone werden zum PNS gezählt, da ihre Axone den peripheren Nerv bilden, obwohl ihr Perikaryon im Vorderhorn liegt. Ebenso gehören postganglionäre sympathische Neurone in den vegetativen Ganglien dazu. Hinzu kommen die Hirnnerven und das enterische Nervensystem in der Darmwand.

Quiz

Teste dich mit 6 Karten
richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Der Hinterstrang ist ein Teil der weißen Substanz und liegt zwischen den beiden Hinterhörnern.

Der Hinterstrang liegt in der weißen Substanz beiderseits der dorsalen Mittellinie zwischen den Hinterhörnern.

Aussage 2

Die weiße Substanz ist reicher an Nervenzellkörpern als die graue Substanz.

Umgekehrt: Die graue Substanz enthält viele Perikaryen, die weiße besteht vor allem aus myelinisierten Axonen.

Aussage 3

Die Perikaryen der Motoneurone liegen im schmalen dorsalen Horn der grauen Substanz.

Motoneuron-Perikaryen liegen im breiten, ventralen Vorderhorn. Das dorsale Hinterhorn dient der sensiblen Verschaltung.

Aussage 4

Im Seitenhorn des Thorakalmarks liegen präganglionäre sympathische Neurone.

Das thorakale Seitenhorn ist der Ursprungsort der präganglionären Sympathikus-Neurone.

Aussage 5

Das Spinalganglion mit den Zellkörpern der sensiblen Neurone sitzt an der Vorderwurzel.

Das Spinalganglion liegt in der afferenten Hinterwurzel. Die Vorderwurzel führt efferente Fasern und hat kein Ganglion.

Aussage 6

Beim Erwachsenen reicht das Rückenmark etwa bis in Höhe des ersten bis zweiten Lendenwirbels.

Das Rückenmark endet als Conus medullaris bei L1/L2, darunter liegt nur die Cauda equina.

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben