Nervensystem

Bildung und Abfluss des Kammerwassers

Wo das Kammerwasser entsteht, welchen Weg es durch die Augenkammern nimmt und über welche zwei Wege es das Auge wieder verlässt.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Das Kammerwasser ist eine klare Flüssigkeit der Augenkammern, die gefäßlose Linse und Hornhaut versorgt und den Augeninnendruck aufrechterhält.
  • Gebildet und sezerniert wird es vom zweischichtigen Epithel des Ziliarkörpers in die hintere Augenkammer.
  • Durch die Pupille gelangt es in die vordere Augenkammer zwischen Hornhaut und Iris.
  • Überwiegend fließt es im Kammerwinkel über Trabekelwerk und Schlemm-Kanal in die episkleralen Venen ab.
  • Ein kleiner Teil verlässt das Auge uveoskleral durch das Bindegewebe zwischen den Ziliarmuskelzellen.

Worum es geht

Das Auge produziert ständig eine klare Flüssigkeit und leitet sie ebenso stetig wieder ab. Aus dem Gleichgewicht von Bildung und Abfluss ergibt sich der Augeninnendruck. Wer die Wirkorte von Glaukommitteln wie Timolol oder Latanoprost verstehen will, braucht genau diesen Weg.

Bildung

Das Kammerwasser ist eine klare, eiweißarme Flüssigkeit im vorderen Teil des Augapfels. Es versorgt Linse und Hornhaut mit Nährstoffen, denn beide besitzen keine eigenen Blutgefäße. Zugleich hält es den Augeninnendruck aufrecht. Gebildet wird es vom Epithel des Ziliarkörpers, genauer von den Ziliarfortsätzen.

Das Ziliarepithel besteht aus zwei Schichten: einer pigmentierten äußeren und einer nicht pigmentierten inneren Schicht. Aus den gefensterten Kapillaren im Stroma tritt Plasmaflüssigkeit aus. Die Epithelzellen pumpen daraus aktiv Ionen in die hintere Augenkammer, und Wasser folgt osmotisch nach. Kammerwasser ist damit ein aktiv sezerniertes Produkt der Epithelzellen.

Schema eines Ziliarfortsatzes mit Kapillare, zwei Epithelschichten und Pfeilen für Ionen und Wasser Richtung hintere Augenkammer.

Kammerwasserbildung im zweischichtigen Ziliarepithel.

In der Nachbarschaft liegen Strukturen mit ganz anderen Aufgaben. Die Tabelle ordnet sie zu, damit der Bildungsort klar abgegrenzt bleibt.

Struktur Aufgabe
Ziliarkörperepithel bildet und sezerniert Kammerwasser
Ziliarmuskel Akkommodation, sein Bindegewebe dient dem Nebenabfluss
Iris Blende, reguliert die Pupillenweite
Glaskörper gelartige Füllung hinter der Linse
Linsenepithel bildet neue Linsenfasern
Hornhautendothel pumpt Wasser aus der Hornhaut und hält sie klar
Retina mit Pigmentepithel Lichtwahrnehmung und Versorgung der Photorezeptoren
Schlemm-Kanal leitet Kammerwasser ab

Die Kapillaren der Retina versorgen die inneren Netzhautschichten. Ein Ultrafiltrat aus ihnen gelangt nicht in die Augenkammern. Der Ziliarkörper ist also reiner Produzent: Er resorbiert das Kammerwasser nicht und transportiert es auch nicht ab.

🎯 Examensrelevant: Bildungsort des Kammerwassers

Wird im Examen gerne gefragt: Kammerwasser sezernieren die Epithelzellen der Ziliarfortsätze, nicht die Myozyten des Ziliarmuskels. Achte darauf, den Bildungsort im Ziliarkörper sauber vom Abflussort Schlemm-Kanal zu trennen.

Fließweg und Abfluss

Vor der Linse liegen zwei flüssigkeitsgefüllte Räume. Die hintere Augenkammer liegt zwischen Irisrückfläche, Linse und Zonulafasern. In sie gibt der Ziliarkörper das Kammerwasser ab. Die vordere Augenkammer liegt zwischen Hornhaut und Irisvorderfläche, die Pupille verbindet beide.

Am Rand der vorderen Kammer treffen Hornhaut und Iriswurzel spitz aufeinander. Diesen Winkel nennt man Kammerwinkel. Dort liegt ein schwammartiges Trabekelwerk, dahinter der Schlemm-Kanal. Er ist ein ringförmiges Gefäß in der Sklera, das die Hornhaut wie ein Abflussgraben umrundet.

  1. Sekretion: Das Ziliarepithel gibt Kammerwasser in die hintere Augenkammer ab.
  2. Pupille: Das Kammerwasser strömt zwischen Iris und Linse durch die Pupille in die vordere Augenkammer.
  3. Kammerwinkel: Es sickert durch das Trabekelwerk.
  4. Schlemm-Kanal: Er sammelt es und leitet es über Kammerwasservenen in die episkleralen Venen.

Dieser trabekuläre Weg trägt den überwiegenden Teil des Abflusses. Ein kleiner Teil nimmt den uveoskleralen Weg. Er fließt durch das Bindegewebe zwischen den Ziliarmuskelzellen und verlässt das Auge über Aderhaut und Sklera.

Detailzeichnung des Kammerwinkels mit zwei Abflusswegen: durch das Trabekelwerk in den Schlemm-Kanal und durch das Bindegewebe des Ziliarmuskels.

Konventioneller Abfluss über den Schlemm-Kanal und uveoskleraler Abfluss durch den Ziliarmuskel.

Mit dem Tränennasengang hat das Kammerwasser nichts zu tun. Dieser leitet die Tränenflüssigkeit von der Augenoberfläche in die Nase. Ist der Abfluss im Kammerwinkel behindert, staut sich Kammerwasser und der Augeninnendruck steigt. Das ist der Kernmechanismus vieler Glaukome.

💊 Praxistipp

Glaukommittel setzen an beiden Enden an. Timolol und der Carboanhydrasehemmer Dorzolamid drosseln die Bildung im Ziliarepithel, Prostaglandinanaloga wie Latanoprost fördern den uveoskleralen Abfluss.

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Aussage 1

Der größte Teil des Kammerwassers verlässt das Auge auf dem uveoskleralen Weg durch den Ziliarmuskel.

Der uveosklerale Weg ist der Nebenweg. Überwiegend fließt das Kammerwasser über Trabekelwerk und Schlemm-Kanal ab.

Aussage 2

Das Kammerwasser wird von den glatten Muskelzellen des Ziliarmuskels abgegeben.

Kammerwasser sezernieren die Epithelzellen der Ziliarfortsätze. Der Ziliarmuskel dient der Akkommodation.

Aussage 3

Kammerwasser gelangt aus der hinteren Augenkammer durch die Pupille in die vordere Augenkammer.

Die hintere Kammer liegt hinter der Iris, die vordere vor ihr. Die Pupille verbindet beide.

Aussage 4

Der Schlemm-Kanal liegt im Kammerwinkel und leitet Kammerwasser über Kammerwasservenen in die episkleralen Venen.

Der Schlemm-Kanal ist ein ringförmiges Gefäß in der Sklera am Kammerwinkel. Er leitet ab und bildet kein Kammerwasser.

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