Immunglobulinklassen und ihre Funktionen
Die fünf Immunglobulinklassen unterscheiden sich in Form, Ort und Aufgabe: IgM als Pentamer und Frühantikörper, IgG im Blut, IgA an Schleimhäuten, IgE auf Mastzellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Immunglobulinklasse wird durch den konstanten Teil der schweren Kette bestimmt. Es gibt fünf Klassen: IgA, IgD, IgE, IgG und IgM.
- Nur IgM liegt im Blutplasma als Pentamer mit J-Kette und zehn Bindungsstellen vor.
- IgM ist der Frühantikörper der Primärantwort. IgG bilden B-Lymphozyten erst nach Antigenkontakt mit Hilfe von T-Helferzellen und sezernieren es ins Blut.
- IgA bilden subepitheliale Plasmazellen. Es gelangt per Transzytose als sekretorisches IgA auf die Schleimhaut.
- IgE sitzt über FcεRI auf Mastzellen. Kreuzvernetzung durch ein Allergen löst die Histaminfreisetzung aus.
Worum es geht
Antikörper gibt es in fünf Klassen mit jeweils eigener Form und Aufgabe. Welche Klasse im Blut nachweisbar ist, zeigt etwa, ob eine Infektion frisch ist. IgE erklärt, warum Antihistaminika bei Heuschnupfen helfen.
Klassen im Überblick
Alle Antikörper teilen dieselbe Y-förmige Grundstruktur. Die Immunglobulinklasse legt der konstante Teil der schweren Kette fest. Es gibt fünf Klassen: IgA, IgD, IgE, IgG und IgM.
| Klasse | Form | Hauptaufgabe |
|---|---|---|
| IgM | Pentamer | Frühantikörper der Primärantwort |
| IgG | Monomer | Hauptantikörper im Blut |
| IgA | Monomer im Serum, Dimer in Sekreten | Schutz der Schleimhäute |
| IgE | Monomer | Mastzellaktivierung |
| IgD | Monomer | Antigenrezeptor naiver B-Zellen |
Nur IgM liegt im Blutplasma als Pentamer vor. Disulfidbrücken und eine J-Kette verbinden fünf Monomere. Die Fc-Teile zeigen nach innen, die zehn Bindungsstellen nach außen. Wie ein Klettball haftet das Molekül so auch bei schwacher Einzelbindung fest am Erreger.
IgM und IgG
Beim ersten Kontakt mit einem Antigen läuft die Primärantwort ab. Nach einer Latenzphase erscheint zuerst IgM. Es ist der Frühantikörper. Ein hoher IgM-Titer spricht deshalb für eine frische Infektion.
IgG folgt später. B-Lymphozyten bilden es erst nach Antigenkontakt und unter Einwirkung von T-Helferzellen. Diese aktivieren die B-Zelle und lösen den Klassenwechsel zu IgG aus. Plasmazellen sezernieren IgG dann ins Blut. Beim Zweitkontakt steigt IgG rasch und hoch an.
Wie IgG das Neugeborene schützt, steht beim Nestschutz über die Plazenta.
IgA
IgA schützt die Schleimhäute von Darm und Atemwegen. Subepitheliale Plasmazellen in der Lamina propria bilden es als Dimer mit J-Kette. Durch Transzytose gelangt es auf die Oberfläche:
- Bindung: Das Dimer bindet basal an den polymeren Ig-Rezeptor (pIgR).
- Transport: Ein Vesikel trägt den Komplex durch die Epithelzelle.
- Freisetzung: Apikal wird der Rezeptor gespalten, ein Teil bleibt am IgA.
Sekretorisches IgA (sIgA) ist das IgA-Dimer mit J-Kette und sekretorischer Komponente, dem Rest des Rezeptors. Die Komponente schützt es vor Verdauungsenzymen. sIgA findet sich in Speichel, Tränen, Darmsekret und Muttermilch.
IgE
IgE kommt im Blut nur in Spuren vor. Es sitzt größtenteils über den Rezeptor FcεRI auf Mastzellen. So ist IgE an der Aktivierung von Mastzellen beteiligt. Verbrückt ein Allergen zwei IgE-Moleküle, degranuliert die Zelle und setzt Histamin frei. Das ist die Grundlage der Soforttypallergie. Physiologisch dient IgE der Abwehr von Würmern.
Quiz
Aussage 1
IgG zirkuliert im Blutplasma als Pentamer, dessen Monomere eine J-Kette zusammenhält.
IgG ist ein Monomer. Als Pentamer mit J-Kette liegt im Plasma nur IgM vor.
Aussage 2
Subepitheliale Plasmazellen bilden IgA, das durch Transzytose der Epithelzellen auf die Schleimhautoberfläche gelangt.
Das IgA-Dimer bindet basal an den pIgR, wird im Vesikel durch die Zelle getragen und apikal als sekretorisches IgA freigesetzt.
Aussage 3
B-Lymphozyten bilden IgG erst nach Antigenkontakt und unter Mitwirkung von T-Helferzellen.
T-Helferzellen aktivieren die B-Zelle und lösen den Klassenwechsel zu IgG aus. Zuerst erscheint in der Primärantwort IgM.
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