Hormone des Hypophysenvorderlappens und ihre Steuerung
Welche sechs Hormone der Hypophysenvorderlappen bildet, welches hypothalamische Steuerhormon zu welchem gehört und wie Prolactin reguliert wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Hypophysenvorderlappen bildet selbst ACTH, TSH, FSH, LH, STH und Prolactin. Im Hypothalamus entstehen sie nicht, im Hinterlappen werden sie nicht gespeichert.
- Glandotrope Hormone steuern Drüsen: ACTH die Nebennierenrinde, TSH die Schilddrüse, die Gonadotropine FSH und LH (aus demselben Zelltyp) die Gonaden.
- Hormonachsen: CRH → ACTH, TRH → TSH, GnRH → FSH/LH, Somatoliberin → STH. Das Endhormon hemmt per langer, TSH den TRH per kurzer Rückkopplung.
- Somatotropin, STH und GH bezeichnen dasselbe Hormon aus dem Vorderlappen und nicht aus dem Pankreas.
- Prolactin fördert die Milchbildung, wird durch Dopamin gehemmt, bei Stress vermehrt ausgeschüttet und hemmt die Gonadotropine, ohne selbst eines zu sein.
Worum es geht
Der Hypophysenvorderlappen bildet sechs Hormone. Sie steuern Stoffwechsel, Wachstum, Fortpflanzung und Milchbildung, und er selbst gehorcht dem Hypothalamus. In der Pharmazie begegnet dir das etwa beim Dopaminagonisten Cabergolin, der den Prolactinspiegel senkt.
Glandotrope und effektorische Hormone
Der Hypophysenvorderlappen (HVL, Adenohypophyse) ist eine echte Hormondrüse. Er bildet sechs Hormone selbst: ACTH, TSH, FSH, LH, STH und Prolactin. Fast jedes stammt aus einem eigenen Zelltyp. FSH und LH entstehen dagegen gemeinsam in demselben Zelltyp, den gonadotropen Zellen.
Die meisten dieser Hormone sind glandotrop. Sie steuern also eine nachgeschaltete Drüse. ACTH (Corticotropin) regt die Nebennierenrinde an, TSH (Thyreotropin) die Schilddrüse. FSH (Follitropin) und LH (Lutropin) wirken auf Hoden und Eierstöcke und heißen deshalb Gonadotropine.
Somatotropin wirkt dagegen direkt auf viele Gewebe und fördert Wachstum und Stoffwechsel. STH, Wachstumshormon und GH sind drei Namen für dasselbe Hormon. Auch Prolactin wirkt direkt auf sein Zielgewebe. Solche Hormone nennt man effektorisch.
Wichtig sind die Bildungsorte. ADH und Oxytocin entstehen im Hypothalamus und werden im Hinterlappen gespeichert (Neurohypophyse). Für die HVL-Hormone gilt beides nicht, sie werden im Vorderlappen gebildet und von dort freigesetzt. Melatonin stammt aus der Zirbeldrüse. TSH wird in der Hypophyse gebildet und nicht in der Schilddrüse, auf die es wirkt. Die Langerhans-Inseln des Pankreas bilden zwar Somatostatin, aber kein Somatotropin.
Hormonachsen
Eine Hormonachse ist eine dreistufige Befehlskette. Oben gibt der Hypothalamus ein Releasing-Hormon ab (Liberine und Statine). Es gelangt über das Pfortadersystem im Hypophysenstiel zum Vorderlappen. Dieser schüttet sein Hormon aus, das in der Peripherie wirkt.
| Hypothalamus | Vorderlappen | Zielorgan | Endprodukt |
|---|---|---|---|
| CRH | ACTH | Nebennierenrinde | Cortisol |
| TRH | TSH | Schilddrüse | \(\ce{T4}\), \(\ce{T3}\) |
| GnRH (Gonadoliberin) | FSH, LH | Hoden, Ovar | Sexualhormone, Keimzellreifung |
| Somatoliberin (GHRH) | STH | Leber, viele Gewebe | Wachstum (teils über IGF-1) |
GnRH steht damit an der Spitze der hormonellen Steuerung der Spermatogenese. Die Rolle der Gonadotropine im Zyklus folgt später.
Das Endhormon hemmt beide oberen Stufen. Das ist die lange negative Rückkopplung. Zusätzlich bremst das Hypophysenhormon den Hypothalamus direkt. So hemmt TSH die Freisetzung von TRH, es stimuliert sie nicht. Man spricht von kurzer Rückkopplung.
Im Schema erkennst du die Stufen an ihrer Lage. Oberhalb des Hypophysenstiels steht immer das Releasing-Hormon. Zwischen CRH und Nebenniere steht ACTH aus dem Vorderlappen. Der Hinterlappen ist an der Stimulation der Cortisolfreisetzung nicht beteiligt. Details liefern die Seiten zu Cortisol und zur Schilddrüse.
Liberin oben, Tropin in der Mitte, Endhormon unten. Jede Stufe bremst rückwirkend die Stufen darüber.
Prolactin
Prolactin entsteht in den laktotropen Zellen der Adenohypophyse. Es wird also nicht aus der Neurohypophyse ausgeschüttet. Seine Hauptwirkung: Es fördert die Milchbildung in der Brustdrüse. Oxytocin ist ein anderes Hormon. Es kommt aus dem Hinterlappen und löst den Milchausstoß aus (Stillzeit).
Anders als die übrigen HVL-Hormone wird Prolactin vor allem gebremst. Dopamin aus dem Hypothalamus hemmt die laktotropen Zellen ständig, wie ein angezogener Handbremshebel. Fördernd wirken TRH und der Saugreiz. Auch bei Stress wird Prolactin vermehrt ausgeschüttet.
Prolactin hemmt seinerseits die GnRH-Freisetzung und damit die Ausschüttung von FSH und LH. Es ist selbst aber kein Gonadotropin. Deshalb bleibt in der Stillzeit der Eisprung oft aus. Prolactin ist auch im männlichen Organismus nachweisbar.
Prolactin wird im Examen gerne gefragt. Sicher können solltest du: Bildung im Vorderlappen, Hemmung durch Dopamin, Anstieg bei Stress und Hemmung der Gonadotropine. Halte es klar von Oxytocin aus dem Hinterlappen getrennt.
Dopaminagonisten wie Cabergolin oder Bromocriptin senken Prolactin, etwa zum Abstillen. D2-Antagonisten wie Haloperidol oder Metoclopramid lösen die Dopaminbremse und können Prolactin erhöhen, mit Milchfluss oder Zyklusstörungen als Folge.
Quiz
Aussage 1
Prolactin kann über eine Hemmung von GnRH die Ausschüttung von FSH und LH vermindern.
Prolactin bremst GnRH und damit die Gonadotropine. Es ist selbst aber kein Gonadotropin.
Aussage 2
Über die kurze Rückkopplung fördert TSH die Freisetzung von TRH im Hypothalamus.
Die kurze Rückkopplung ist negativ: TSH hemmt die TRH-Freisetzung.
Aussage 3
FSH und LH stammen aus zwei verschiedenen Zelltypen des Hypophysenvorderlappens.
Beide Gonadotropine werden von demselben Zelltyp gebildet, den gonadotropen Zellen.
Aussage 4
Bei Stress steigt die Ausschüttung von Prolactin an.
Stress gehört neben TRH und dem Saugreiz zu den fördernden Reizen der Prolactinfreisetzung.
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