Herz und Kreislauf

Pfortaderkreislauf der Leber

Wie die Pfortader das Blut der unpaaren Bauchorgane sammelt, es durch ein zweites Kapillargebiet in der Leber leitet und was ihr Blut von dem der Leberarterie und der Lebervenen unterscheidet.

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  • Ein Pfortadersystem besteht aus zwei hintereinandergeschalteten Kapillargebieten. Die Pfortader verbindet das Kapillargebiet des Magen-Darm-Trakts mit dem der Leber.
  • Das Einzugsgebiet sind die unpaaren Bauchorgane: Magen, Dünndarm, Dickdarm, Milz und Pankreas. Die Nieren geben ihr Blut direkt in die untere Hohlvene ab.
  • Pfortaderblut ist venös und sauerstoffarm, aber nährstoffreich. Resorbierte Glucose und Aminosäuren gelangen so direkt zur Leber.
  • Die Leberarterie führt sauerstoffreiches Blut, die Lebervenen führen sauerstoffarmes Blut in die untere Hohlvene. Der \(p\ce{O2}\) ist im Pfortaderblut niedriger als in der Leberarterie.
  • Die Pfortader gehört zum großen Kreislauf, entspringt nicht aus der Aorta und endet in der Leber, nicht im Herzen oder in der Hohlvene.

Worum es geht

Die Pfortader sammelt das Blut der Verdauungsorgane und führt es zur Leber, bevor es das Herz erreicht. Sie ist ein Sonderweg im großen Kreislauf. Für die Pharmazie erklärt sie, warum oral eingenommene Arzneistoffe zuerst die Leber passieren.

Prinzip des Pfortadersystems

Im großen Kreislauf durchläuft das Blut normalerweise genau ein Kapillargebiet. Es strömt aus einer Arterie in die Kapillaren eines Organs und gibt dort Sauerstoff ab. Danach sammelt es sich in einer Vene, die zum Herzen zurückführt. Arterie, Kapillarnetz, Vene: Das ist die gewöhnliche Reihenfolge.

📖 Definition: Pfortadersystem

Gefäßabschnitt, in dem das Blut nacheinander zwei Kapillarnetze durchströmt. Das Gefäß, das das erste Netz mit dem zweiten verbindet, heißt Pfortader.

Die wichtigste Pfortader des Menschen ist die Vena portae hepatis, kurz Pfortader. Sie nimmt das Blut aus dem Kapillargebiet des Magen-Darm-Trakts auf. Dann leitet sie es in ein zweites Kapillargebiet, das in der Leber liegt. Dort verteilt sich das Blut in weite Kapillaren, die Sinusoide. Erst danach fließt es über die Lebervenen und die untere Hohlvene zum rechten Herzen. Das gleiche Bauprinzip findet sich auch zwischen Hypothalamus und Hypophysenvorderlappen.

Schema mit zwei hintereinanderliegenden Kapillarnetzen von Darm und Leber, verbunden durch die Pfortader, daneben ein Organ mit nur einem Kapillarnetz.

Pfortaderprinzip: Das Blut aus dem Darm durchläuft ein zweites Kapillargebiet in der Leber, bevor es zum Herzen zurückkehrt.

Man kann sich die Leber wie eine Kontrollstelle vorstellen, an der alles vorbeimuss, was der Darm aufnimmt. Sie speichert Nährstoffe und baut Fremdstoffe ab, bevor diese den übrigen Körper erreichen (Leberfunktionen). Für Arzneistoffe bedeutet das: Ein Teil einer oral gegebenen Dosis wird schon bei dieser ersten Leberpassage verstoffwechselt. Man nennt das den First-pass-Effekt.

Einzugsgebiet

Die Pfortader sammelt das venöse Blut der unpaaren Bauchorgane. Das sind Organe der Bauchhöhle, die es nur einmal gibt: Magen, Dünndarm, Dickdarm, Milz und Pankreas. Die Kapillargebiete all dieser Organe sind über die Pfortader mit dem Kapillargebiet der Leber verbunden. So gelangt auch das Blut der Milz zur Leber, obwohl die Milz gar nicht verdaut.

Der Stamm der Pfortader entsteht hinter dem Pankreas. Dort vereinigen sich mehrere große Venen:

Zufluss sammelt Blut aus
V. mesenterica superior Dünndarm, rechter und mittlerer Dickdarm, Teile des Pankreas
V. splenica (Milzvene) Milz, Pankreas, Teile des Magens
V. mesenterica inferior linker Dickdarm bis oberes Rektum, mündet meist in die V. splenica
Vv. gastricae Magen, münden direkt in den Pfortaderstamm

Schema der Bauchorgane mit blau dargestellten Venen von Magen, Milz, Pankreas, Dünn- und Dickdarm, die sich zur Pfortader vereinigen und in die Leber ziehen.

Einzugsgebiet der Pfortader: Die unpaaren Bauchorgane leiten ihr venöses Blut zur Leber.

Anders als der Darm gehören paarige Organe wie die Nieren nicht zum Einzugsgebiet, denn ihre Venen münden direkt in die untere Hohlvene. Auch der unterste Abschnitt des Rektums leitet sein Blut größtenteils an der Leber vorbei in das Hohlvenensystem. Die Pfortader erfasst also große Teile des Magen-Darm-Trakts, aber nicht seine ganze Länge.

🎯 Examensrelevant: Einzugsgebiet der Pfortader

Examensklassiker: Die Pfortader sammelt venöses Blut aus Magen, Dünndarm, Dickdarm, Milz und Pankreas. Achte darauf, dass Milz und Pankreas dazugehören, obwohl sie nicht zum Darmrohr zählen, während die paarigen Nieren ihr Blut direkt in die untere Hohlvene abgeben.

💊 Praxistipp

Bei Suppositorien gelangt ein Teil des Wirkstoffs über die unteren Rektumvenen direkt in die Hohlvene. Dieser Anteil umgeht die erste Leberpassage, das Ausmaß hängt aber von der Lage des Zäpfchens ab.

Pfortaderblut

Pfortaderblut hat die Kapillaren der Bauchorgane schon durchlaufen. Dort hat es einen großen Teil seines Sauerstoffs abgegeben. Es ist daher venös und sauerstoffarm. Zugleich hat es im Darm die frisch resorbierten Nährstoffe aufgenommen und ist nährstoffreich. Vor allem Glucose und Aminosäuren erreichen so auf direktem Weg die Leber. Nahrungsfette nehmen dagegen überwiegend den Umweg über das Lymphsystem, weil sie als Chylomikronen in die Lymphgefäße gelangen.

Die Leber erhält zusätzlich arterielles Blut über die Leberarterie (A. hepatica propria). Sie stammt über den Truncus coeliacus aus der Aorta und führt sauerstoffreiches Blut. Etwa drei Viertel des Blutvolumens liefert die Pfortader, etwa ein Viertel die Leberarterie. Beim Sauerstoff teilen sich beide Gefäße die Versorgung ungefähr je zur Hälfte. Beide Blutströme mischen sich in den Sinusoiden. Danach führen die Lebervenen das sauerstoffarme Blut in die untere Hohlvene.

Gegenüberstellung von Pfortader und Leberarterie mit ihren Anteilen an Blutvolumen und Sauerstoffzufuhr zur Leber.

Doppelte Blutversorgung der Leber: viel Volumen aus der Pfortader, viel Sauerstoff aus der Leberarterie.

Der Vergleich der drei Lebergefäße wird im Examen gerne gefragt. Entscheidend ist der Sauerstoff: Der \(p\ce{O2}\) liegt im Pfortaderblut niedriger als im Blut der Leberarterie. Die Tabelle stellt die drei Gefäße nebeneinander.

Gefäß kommt aus führt zu Blut
Pfortader Kapillaren der unpaaren Bauchorgane Leber venös, sauerstoffarm, nährstoffreich
Leberarterie Aorta über Truncus coeliacus Leber arteriell, sauerstoffreich
Lebervenen Leber untere Hohlvene venös, sauerstoffarm

Einordnung und Abbildung

Die Pfortader gehört zum großen Kreislauf. Ihr Blut stammt aus Organen, die über Äste der Aorta versorgt werden. Es kehrt über die Hohlvene zum rechten Herzen zurück. Mit dem kleinen Kreislauf zwischen Herz und Lunge hat sie nichts zu tun.

Die Pfortader entspringt nicht aus der Aorta. Sie beginnt als Vene hinter dem Pankreas, wo ihre Zuflüsse zusammenfließen. Von dort zieht sie zur Leberpforte und endet in den Sinusoiden der Leber. Sie mündet also nicht direkt ins Herz und auch nicht unmittelbar in die untere Hohlvene.

⚠️ Achtung: Pfortader und Lebervenen

Blut von der Leber zum Herzen führen die Lebervenen, nicht die Pfortader. Die Pfortader fließt immer zur Leber hin, die Lebervenen aus ihr heraus in die untere Hohlvene.

In anatomischen Abbildungen des Bauchraums liegen Pfortader und untere Hohlvene nah beieinander. Beide sind große Venen und oft blau gezeichnet. Lage und Verlauf unterscheiden sie.

A Pfortader

Kurzer, schräger Stamm von hinter dem Pankreas nach rechts oben zur Leberpforte. Zuflüsse aus Milz, Magen und Darm. Keine Verbindung zu den Nierenvenen.

B Untere Hohlvene

Senkrechte Vene rechts neben der Aorta vor der Wirbelsäule. Nimmt Nierenvenen und Lebervenen auf und zieht durch das Zwerchfell zum rechten Vorhof.

So findest du die Pfortader in einer Abbildung:

  1. Leberpforte suchen: An der Unterseite der Leber treten die Gefäße in die Leber ein.
  2. Gefäß zurückverfolgen: Der dickste venöse Stamm dort läuft schräg nach links unten hinter das Pankreas.
  3. Zuflüsse prüfen: Von links kommt die Milzvene, von unten die obere Gekrösevene aus dem Darm.
  4. Gegenprobe machen: Ein senkrechtes Gefäß neben der Aorta mit Zuflüssen aus den Nieren ist die untere Hohlvene.

Anatomische Darstellung des Oberbauchs mit Pfortader zwischen Pankreas und Leberpforte sowie der unteren Hohlvene rechts neben der Aorta.

Pfortader und untere Hohlvene im Oberbauch: schräger Stamm zur Leberpforte gegenüber senkrechter Vene neben der Wirbelsäule.

Quiz

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Aussage 1

Das venöse Blut der Milz fließt über die untere Hohlvene zum Herzen, ohne vorher die Leber zu passieren.

Die Milz gehört zu den unpaaren Bauchorganen. Ihr Blut gelangt über die V. splenica in die Pfortader und damit zuerst zur Leber.

Aussage 2

Die Lebervenen leiten sauerstoffarmes Blut aus der Leber in die untere Hohlvene.

Die Lebervenen sind die Abflüsse der Leber. Die Pfortader dagegen führt Blut zur Leber hin und mündet nicht in die Hohlvene.

Aussage 3

Aus dem Darm resorbierte Glucose und Aminosäuren erreichen über das Pfortaderblut direkt die Leber.

Die Pfortader führt der Leber nährstoffreiches Blut aus dem Darm zu. Nahrungsfette nehmen dagegen überwiegend den Weg über die Lymphe.

Aussage 4

Der \(p\ce{O2}\) ist im Pfortaderblut höher als im Blut der Leberarterie.

Umgekehrt: Pfortaderblut hat die Kapillaren der Bauchorgane schon passiert und ist sauerstoffarm. Die Leberarterie führt sauerstoffreiches arterielles Blut.

Aussage 5

In einem Pfortadersystem durchströmt das Blut nacheinander zwei Kapillargebiete.

Das ist die Definition: Die Pfortader verbindet ein erstes Kapillargebiet (Magen-Darm-Trakt) mit einem zweiten (Leber).

Aussage 6

Venöses Blut aus dem Pankreas gelangt über die Pfortader in das Kapillargebiet der Leber.

Das Pankreas ist ein unpaares Bauchorgan und gehört zum Einzugsgebiet der Pfortader.

Aussage 7

Die Pfortader ist Teil des kleinen Kreislaufs zwischen Herz und Lunge.

Die Pfortader gehört zum großen Kreislauf. Sie verbindet Bauchorgane und Leber, das Blut kehrt danach über die untere Hohlvene zum rechten Herzen zurück.

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