Geburtsverlauf und hormonale Steuerung der Stillzeit
Wie die Eröffnungsphase der Geburt abläuft und welche Hormone Milchbildung und Milchejektion in der Stillzeit steuern.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Eröffnungsphase ist die erste Geburtsphase, in der sich der Muttermund durch Wehen öffnet.
- In der Eröffnungsphase öffnen regelmäßige Wehen den Zervixkanal langsam, und die Zervixdehnung steigert über positive Rückkopplung die Oxytocinfreisetzung.
- Der Blasensprung erfolgt normalerweise am Ende der Eröffnungsphase.
- Prolactin wird in der Stillzeit vermehrt freigesetzt und fördert die Milchbildung.
- Der Saugreiz löst die Freisetzung von Oxytocin aus, das über die Myoepithelzellen die Milchejektion bewirkt. hCG und Progesteron fördern sie nicht.
Worum es geht
Am Ende der Schwangerschaft steuern Hormone sowohl die Geburt als auch das anschließende Stillen. Im Mittelpunkt stehen dabei Oxytocin und Prolactin. Oxytocin kennt man in der Klinik auch als Arzneistoff zur Weheneinleitung.
Phasen der Geburt
Die Geburt verläuft in drei Phasen. In der Eröffnungsphase öffnet sich der Muttermund. In der Austreibungsphase wird das Kind geboren. In der Nachgeburtsphase löst sich die Plazenta und wird ausgestoßen.
Antrieb aller Phasen sind die Wehen. Das sind Kontraktionen der glatten Uterusmuskulatur. Wie glatte Muskelzellen kontrahieren, steht bei der Kontraktion glatter Muskelzellen.
Eröffnungsphase
Die Eröffnungsphase beginnt mit regelmäßigen Wehen. Sie drücken den kindlichen Kopf gegen die Zervix. Dadurch öffnet sich der Zervixkanal langsam, bis der Muttermund vollständig weit ist.
Die Dehnung der Zervix wird an den Hypothalamus gemeldet. Daraufhin steigt die Freisetzung von Oxytocin. Oxytocin verstärkt die nächste Wehe, die die Zervix noch stärker dehnt. Es entsteht eine positive Rückkopplung, die sich wie ein Schwungrad selbst antreibt. Die Progesteronbildung wird dabei nicht angeregt. Progesteron hält den Uterus während der Schwangerschaft eher ruhig.
Im normalen Verlauf reißt die Fruchtblase am Ende der Eröffnungsphase. Platzt sie schon vor Beginn der Wehentätigkeit, weicht das vom normalen Geburtsverlauf ab.
Der Blasensprung ist das Einreißen der Fruchtblase mit Abgang von Fruchtwasser.
Laktation
In der Stillzeit teilen sich zwei Hormone die Arbeit. Prolactin aus dem Hypophysenvorderlappen wird vermehrt freigesetzt. Es regt die Drüsenzellen der Alveolen zur Milchbildung an.
Die gebildete Milch muss noch aus den Alveolen heraus. Das leistet die Milchejektion. Auslöser ist der Saugreiz an der Brustwarze. Er erreicht über afferente Nerven den Hypothalamus. Dann schüttet der Hypophysenhinterlappen Oxytocin aus. Oxytocin lässt die Myoepithelzellen um die Alveolen kontrahieren und presst so die Milch in die Gänge.
Hypophysenvorderlappen, wirkt auf Drüsenzellen, fördert die Milchbildung.
Hypophysenhinterlappen, wirkt auf Myoepithelzellen, fördert die Milchejektion.
Anders als diese beiden Hormone fördern hCG und Progesteron weder Bildung noch Ejektion der Milch. hCG ist ein Plazentahormon der frühen Schwangerschaft. Progesteron stammt in der Schwangerschaft ebenfalls vor allem aus der Plazenta.
Quiz
Aussage 1
Im normalen Geburtsverlauf platzt die Fruchtblase, bevor die ersten Wehen einsetzen.
Normalerweise erfolgt der Blasensprung am Ende der Eröffnungsphase, also nach längerer Wehentätigkeit.
Aussage 2
Progesteron löst nach dem Saugreiz die Kontraktion der Myoepithelzellen und damit die Milchejektion aus.
Die Milchejektion bewirkt Oxytocin aus dem Hypophysenhinterlappen. Progesteron fördert weder Milchbildung noch Milchejektion.
Aussage 3
Die Dehnung der Zervix in der Eröffnungsphase steigert die Oxytocinfreisetzung, was die Wehen weiter verstärkt.
Zervixdehnung und Oxytocin bilden eine positive Rückkopplung.
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