Menstruationszyklus: Follikelphase und Ovulation
Wie FSH die Follikelreifung anstößt, warum Estradiol in der zweiten Zykluswoche steil ansteigt und wie der LH-Peak den Eisprung auslöst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Follikelphase ist die erste Zyklushälfte (Tag 1 bis etwa 14), in der unter FSH ein Follikel bis zur Ovulation heranreift.
- FSH fördert Follikelreifung und Östrogensynthese und steigt am Zyklusende wieder an.
- Estradiol wird im Follikelepithel reifender Follikel gebildet, nicht hauptsächlich im Gelbkörper.
- Der dominante Follikel lässt Estradiol in Woche 2 steil ansteigen, das Maximum liegt weniger als drei Tage vor der Ovulation.
- Hohes Estradiol steigert über positive Rückkopplung die LH-Ausschüttung, und erst der LH-Peak in der Zyklusmitte löst den Eisprung aus.
Worum es geht
Die erste Zyklushälfte entscheidet, welcher Follikel reift und wann der Eisprung stattfindet. Gesteuert wird das vom Zusammenspiel aus Hypophyse und Ovar. Wer diese Hormonverläufe kennt, versteht auch, wie hormonale Kontrazeptiva den Eisprung unterdrücken.
Phasen des Zyklus
Der Menstruationszyklus dauert im Mittel 28 Tage. Tag 1 ist der erste Blutungstag. Man betrachtet zwei parallele Zyklen: den ovariellen Zyklus im Eierstock und den uterinen Zyklus der Gebärmutterschleimhaut.
Im Ovar folgen drei Abschnitte aufeinander. Die Follikelphase reicht von Tag 1 bis etwa Tag 14, in ihr reift ein Follikel heran. Um Tag 14 folgt die Ovulation. Danach beginnt die Lutealphase mit dem Gelbkörper. Im Uterus entsprechen dem Menstruation, Proliferation und Sekretion.
Ein Zyklusdiagramm zeigt auf der x-Achse die Tage, auf der y-Achse die Plasmakonzentrationen. Am besten suchst du zuerst die Ovulation in der Mitte. Dann ordnest du jede Kurve danach ein, ob sie davor, genau dort oder danach gipfelt.
FSH und Follikelreifung
Das FSH aus der Hypophyse setzt die Follikelphase in Gang. Es fördert die Reifung mehrerer Eifollikel und regt deren Zellen zur Östrogensynthese an, vor allem zur Bildung von Estradiol. FSH steigt schon am Ende des vorigen Zyklus wieder an, sobald der Gelbkörper zugrunde geht und seine Hormone abfallen. So wird rechtzeitig die nächste Follikelgruppe rekrutiert.
Estradiol
Estradiol ist das wichtigste Östrogen der Frau. Es entsteht im Follikelepithel reifender Follikel im Ovar. Die Granulosazellen wandeln dort mithilfe der Aromatase Androgene aus den Thecazellen in Estradiol um. Hauptbildungsstätte ist also der Follikel. Der Gelbkörper bildet später vor allem Progesteron.
Anfangs hemmt Estradiol die Gonadotropine über negative Rückkopplung. FSH sinkt deshalb leicht. Nur der Follikel mit den meisten FSH-Rezeptoren kommt damit noch aus. Er wird zum dominanten Follikel, die übrigen gehen zugrunde. Der dominante Follikel wächst zum sprungreifen Graaf-Follikel und gibt immer mehr Estradiol ab. Daher steigt die Estradiolkonzentration in der zweiten Zykluswoche steil an. Ihr Maximum liegt weniger als drei Tage vor der Ovulation.
Oberhalb einer Schwelle kippt der Regelkreis. Hohe Estradiolspiegel fördern nun die LH-Ausschüttung. Das ist positive Rückkopplung: Die Wirkung verstärkt ihre eigene Ursache, wie ein Mikrofon, das zu nah am Lautsprecher steht.
Im Zyklusdiagramm erkennst du die Kurven an ihrer Form.
| Hormon | Kurvenbild | Maximum |
|---|---|---|
| Estradiol | Anstieg in Woche 2 | kurz vor der Ovulation |
| LH | schmale, hohe Spitze | Zyklusmitte, um Tag 14 |
| FSH | kleinere Spitze mit LH, Anstieg am Zyklusende | Zyklusmitte |
| Progesteron | breiter Buckel in Woche 3 | Lutealphase |
Wird im Examen gerne gefragt: Estradiol stammt aus dem Follikelepithel des dominanten Follikels, steigt in Woche 2 steil an und gipfelt weniger als drei Tage vor der Ovulation. Achte darauf, dass dieser Anstieg den LH-Peak über positive Rückkopplung herbeiführt, den Eisprung aber nicht selbst auslöst.
LH-Peak und Ovulation
Unter der positiven Rückkopplung schüttet die Hypophyse schlagartig LH aus. Dieser LH-Peak liegt in der Zyklusmitte. LH erreicht dort sein Plasmamaximum, also um den Eisprung. Rund 36 Stunden nach Beginn des Anstiegs reißt die Wand des Graaf-Follikels auf. Die Eizelle wird mit ihrem Cumulus oophorus freigesetzt: Das ist die Ovulation. Anschließend wandelt LH den Follikelrest in den Gelbkörper um.
Progesteron kommt als Auslöser nicht infrage. Es steigt erst nach dem Eisprung an, denn es stammt aus dem Gelbkörper. Auch sein späterer Abfall leitet die Menstruation ein und nicht die Ovulation. Prolaktin gehört zur Milchbildung in der Stillzeit und steuert den Eisprung nicht.
FSH und Estradiol steigen vor dem Eisprung ebenfalls an. Ausgelöst wird die Ovulation aber allein durch den steilen LH-Anstieg.
Quiz
Aussage 1
Hohe Estradiolspiegel am Ende der Follikelphase steigern über positive Rückkopplung die LH-Ausschüttung der Hypophyse.
Oberhalb einer Schwelle schaltet Estradiol von Hemmung auf Förderung um und führt so zum LH-Peak.
Aussage 2
Die Estradiolkonzentration im Plasma erreicht ihr Maximum kurz vor der Ovulation.
Der steile Anstieg in Woche 2 gipfelt weniger als drei Tage vor dem Eisprung.
Aussage 3
Die Hauptbildungsstätte des Estradiols in der Follikelphase ist der Gelbkörper.
Estradiol entsteht im Follikelepithel reifender Follikel, vor allem im dominanten Follikel. Der Gelbkörper bildet später vor allem Progesteron.
Aussage 4
Der Eisprung wird durch den Anstieg der FSH-Konzentration in der Zyklusmitte ausgelöst.
FSH steigt zwar mit an, Auslöser der Ovulation ist aber der steile LH-Anstieg (LH-Peak).
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